Milliardenzocker Mehrheit der Franzosen hält Kerviel für unschuldig

Die öffentliche Meinung ist auf seiner Seite: Laut einer Umfrage trägt Aktienhändler Jérôme Kerviel nicht die Schuld an den Milliardenverlusten der Société Générale - sondern die Bank selbst. Zwei Drittel der Franzosen fordern den Rücktritt von Bankchef Daniel Bouton.


Paris - Das Umfrageergebnis ist eindeutig: 50 Prozent der Franzosen sehen in der Société Générale Chart zeigen den Schuldigen für die Spekulationsaffäre. Lediglich 13 Prozent geben dem Händler Jérôme Kerviel die Schuld. Knapp ein Drittel machen die französische Finanzmarktaufsicht AMF für das Fiasko verantwortlich. Das geht aus einer Befragung im Auftrag der Zeitung "Le Figaro" hervor.

Händler Jérôme Kerviel: Verlust von 4,8 Milliarden Euro
REUTERS

Händler Jérôme Kerviel: Verlust von 4,8 Milliarden Euro

Dass der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy den Rücktritt von Société-Générale-Chef Daniel Bouton forderte, befürworten fast zwei Drittel der Befragten.

Kerviel hatte der französischen Großbank mit ungenehmigten Spekulationsgeschäften einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro eingebracht. Hinzu kommen zwei Milliarden Euro Verlust als Folge der US-Immobilienkrise. Seit der Aufdeckung des Skandals gilt die Société Générale als Übernahmeobjekt.

Die französische Konkurrentin Credit Agricole Chart zeigen lotet einem Zeitungsbericht zufolge ihre Möglichkeiten aus. Das Kreditinstitut habe die hauseigene Investmentbank Calyon sowie Lazard damit beauftragt, die Lage zu prüfen. Die Société Générale habe wiederum Merrill Lynch und Rothschild angeheuert, um eine Abwehrstrategie zu entwickeln.

Auch BNP Paribas Chart zeigen bestätigte, an Société Générale interessiert zu sein. Die italienische HypoVereinsbank-Mutter Unicredit Chart zeigen teilte dagegen mit, dass eine Übernahme nicht zur Debatte stünde. Das Unternehmen wolle sich auf die 2007 vereinbarte Fusion mit der heimischen Konkurrentin Capitalia Chart zeigen konzentrieren.

Der französische Premierminister Francois Fillon hatte zuvor angekündigt, das Bankhaus vor einer feindlichen Übernahme zu schützen.

sil/AFP/Reuters



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