Millionen für Aids-Medikamente Studie warnt Pharmabranche vor Konkurrenz der Gates-Stiftung

Zynischer Konkurrenzkampf: Eine neue Studie warnt Pharma-Unternehmen vor der Stiftung von Microsoft-Gründer Gates. Diese steckt hunderte Millionen in die Entwicklung von Aids- und Malaria-Medikamenten - und sei damit zum ernst zu nehmenden Wettbewerber geworden.


London - Mit Einlagen von zuletzt rund 33 Milliarden Dollar unterstützt die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates weltweit Forschungsprojekte zur Bekämpfung von Krankheiten sowie Programme gegen Armut und Hunger. Die Finanzstärke der Stiftung könnte sich künftig sogar auf rund 60 Milliarden Dollar verdoppeln: Der Multimilliardär und US-Finanzinvestor Warren Buffett hatte im vergangenen Jahr zugesagt, einen großen Teil seines Vermögens der Gates-Stiftung zu übertragen.

Bill und Melinda-Gates mit Kindern aus Mosambik: Schon des Images wegen können die Firmen die Kooperation nicht verweigern, heißt es in der Studie
DPA

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Auf dem Gebiet der Medikamentenentwicklung sei die Stiftung damit zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten geworden, heißt es in einer neuen Studie des Marktdatenanbieters IMS Health. "Pharmaunternehmen müssen eine klare Strategie entwickeln, um diesem Phänomen zu begegnen." Uneigennützige Stifter, die Milliardensummen in die Arzneimittelforschung stecken könnten, seien für die Branche nicht nur neue mögliche Partner, sondern auch Gegner.

Nach Einschätzung von IMS Health könnten Pharmafirmen selbst dann mit der Gates-Foundation zusammenarbeiten wollen, wenn ihnen wichtige Entdeckungen als erste gelängen. Die Wahrnehmung der Branche in der Öffentlichkeit sei dabei ein wichtiger Beweggrund. Der öffentliche Druck für eine Zusammenarbeit mit der Stiftung könnte in Zukunft sogar steigen, schätzt IMS Health. "Die Alternative wäre für die Pharmabranche, es zuzulassen, dass man sie als gleichgültig gegenüber den globalen Gesundheitsproblemen hinstellt", heißt es in der Studie.

In welcher Form die Gates-Stiftung auf dem Gebiet der Arzneimittelforschung tätig ist, verdeutlicht etwa ihr Aids-Programm. Die Gates-Foundation hatte im vergangenen Juli angekündigt, mit 287 Millionen Dollar ein internationales Netzwerk von 16 Wissenschaftslaboren zu unterstützen. Damit sollten neue Wege auf der Suche nach einem Impfstoff gegen die tödliche Immunschwäche beschritten werden.

Um rasch Ergebnisse im Aids-Programm zu erzielen, könnte für die Wissenschaftler allerdings ein Zugriff auf solche Substanzen notwendig werden, die bei den Pharma- und Biotechfirmen noch in der eigenen Entwicklung steckten, schätzt IMS Health. Die ethische Debatte über Patente von Substanzen zur Bekämpfung lebensbedrohender Krankheiten könnte dann wieder neu aufflammen. Derzeit sind bei den Pharmakonzernen weltweit rund 200 Arzneien und Impfstoffe zur Bekämpfung von Aids in der Entwicklung.

ase/Reuters



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