Millionen-Überweisung Glos schiebt Steinbrück Schuld für KfW-Panne zu

Von wegen technische Panne: Die Millionen-Überweisung an die insolvente US-Bank Lehman Brothers war Folge einer Fehleinschätzung, das gibt die staatliche KfW jetzt zu. Die Suche nach dem Schuldigen läuft - Verwaltungsratschef Glos weist auf die Zuständigkeit des Finanzministeriums hin.


Frankfurt am Main - Peinliches Eingeständnis: Die verantwortlichen Abteilungen hätten das Insolvenzrisiko von Lehman Brothers falsch beurteilt, erklärte die staatseigene Förderbank KfW am Montag. So sei es vergangenen Montag zu der Überweisung von 350 Millionen Euro an die US-Investmentbank gekommen - zu einem Zeitpunkt, wo der Kollaps des Geldinstituts bereits in sämtlichen Zeitungen stand. Direkt nach Bekanntwerden der Panne hatte die KfW von einem technischen Fehler gesprochen.

KfW-Chef Schröder: "Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich nach elf Arbeitstagen in einer neuen Bank noch nicht mit allen Einzelprozessen im Haus so vertraut bin"
DDP

KfW-Chef Schröder: "Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich nach elf Arbeitstagen in einer neuen Bank noch nicht mit allen Einzelprozessen im Haus so vertraut bin"

Der neue KfW-Chef Ulrich Schröder sieht sich nicht verantwortlich für die Überweisungspanne, die der Förderbank in diesem Jahr aller Voraussicht nach einen Verlust einbrocken wird. "Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich nach elf Arbeitstagen in einer neuen Bank noch nicht mit allen Einzelprozessen im Haus so vertraut bin, dass ich hier hätte frühzeitig eingreifen können." Die frühere Chefin Ingrid Matthäus-Maier hatte die KfW wegen der mehrmaligen Hilfsaktionen für die IKB verlassen, die die KfW Milliarden gekostet hatte.

Schröder sagte dem "Handelsblatt", in einer Sitzung am Freitag, den 12. September, sei das offene Risiko aus dem bereits im Juli in die IT-Systeme der KfW eingegebenen Währungsswap-Geschäft nicht gesehen worden. "Der zweite Fehler war, dass angesichts der Datenlage zu Lehman am Freitag hätte beschlossen werden müssen, übers Wochenende die Situation zu verfolgen und im Zweifelsfall einzugreifen. Das ist nicht geschehen."

Erst für Montag, den 15. September, um 9.30 Uhr sei ein neues Treffen angesetzt worden. Die Zahlung sei aber bereits um 8.37 Uhr ausgeführt worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lehman bereits einen Insolvenzantrag gestellt. Schröder sagte, er habe um 9 Uhr telefoniert, um sich nach dem Lehman-Engagement zu erkundigen.

Wegen der fehlerhaften Überweisung wurden zwei Vorstände und ein Bereichsleiter bereits vom Dienst suspendiert. Die Bank lässt den Vorfall rechtlich untersuchen und hat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet. Nach SPIEGEL-Informationen hatte am vergangenen Montagmorgen jeder Chef einer deutschen Bank eine E-Mail der Deutschen Bundesbank erhalten mit dem Hinweis, "dass Lehman nicht mehr am Zahlungsverkehr teilnimmt". Auch KfW-Chef Ulrich Schröder bekam die E-Mail, doch da war die 350-Millionen-Überweisung an die insolventen Lehman Brothers schon auf dem Weg.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sieht die politische Verantwortung für die KfW, die bereits mit ihrem Engagement bei der Mittelstandsbank IKB in die Schlagzeilen geraten war, vor allem bei Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). "Die KfW gehört zum Bereich des Bundesministers der Finanzen", sagte Glos auf einem Unternehmertag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Überweisung an Lehman sei ein weiteres "Abenteuer". Glos selbst allerdings ist derzeit Verwaltungsratschef der KfW.

ase/Reuters



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