Millionenpanne KfW-Manager kannten Risiko der Lehman-Überweisung

Es war eine Panne mit Ansage: KfW-Manager waren nach SPIEGEL-Informationen rechtzeitig vor der Pleite der Lehman-Bank zu dem Ergebnis gekommen, keine Überweisung mehr zu tätigen. Doch niemand setzte den Beschluss um. KfW-Chef Schröder rechnet wegen der Panne mit roten Zahlen.


Frankfurt am Main - Am vergangenen Montagmorgen hatte jeder Chef einer deutschen Bank eine E-Mail der Deutschen Bundesbank erhalten mit dem Hinweis, "dass Lehman nicht mehr am Zahlungsverkehr teilnimmt". Auch KfW-Chef Ulrich Schröder bekam die E-Mail, doch da war die 350-Millionen-Überweisung an die insolventen Lehman Brothers schon auf dem Weg.

KfW-Logo (vor der Zentrale in Frankfurt): Hohe Verluste befürchtet
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KfW-Logo (vor der Zentrale in Frankfurt): Hohe Verluste befürchtet

Dabei hatten die zuständigen Vorstände Peter Fleischer und Detlef Leinberger sowie ein Bereichsleiter - alle drei sind inzwischen suspendiert - am Freitag vorvergangener Woche in einer mehrstündigen Sitzung die Finanzkrise in den USA analysiert. Das Ergebnis: Es sollte keine weiteren Überweisungen an Lehman geben.

Doch diesen Beschluss setzte keiner um. Niemand überprüfte, welche Zahlungen auf Termin bereits im Computer gespeichert waren. Und so ging die fragliche Überweisung am vergangenen Montag um 8.03 Uhr an die Bundesbank, die für die KfW solche Transaktionen abwickelt. Als der Vorgang aufflog, war es zu spät - und Schaden und Spott groß.

Der millionenschwere Transfer an Lehman Brothers wird sich offenbar deutlich auf die Jahresbilanz der staatlichen KfW-Bank auswirken. Wegen der Überweisungspanne und der Belastungen der mittlerweile verkauften Mittelstandsbank IKB rechnet die KfW für das Gesamtjahr 2008 mit roten Zahlen.

"Ich fürchte, dass wir schwarze Zahlen nicht schaffen werden, eben wegen der IKB- und auch der Lehman-Belastungen", sagte Bankchef Schröder dem "Handelsblatt". Zur Höhe des Verlustes wollte sich Schröder nicht äußern. Dies hänge von der Entwicklung der Finanzkrise und der Bewertung des Wertpapierbestands ab. Sein Ziel sei es jedoch, alle Altlasten noch im Jahresabschluss 2008 zu verarbeiten.

Schon im vergangenen Jahr hatte die KfW-Bank mit einem Konzernverlust von 6,2 Milliarden Euro das größte Minus in ihrer 60-jährigen Unternehmensgeschichte eingefahren.

Als Konsequenz aus dem Überweisungsdebakel, das die KfW rund 350 Millionen Euro kosten wird, kündigte Schröder ein verschärftes Risikomanagement und eine konservativere Anlagepolitik der Staatsbank an. Einen Verkauf der Export- und Projektfinanzierungstochter Ipex lehnte Schröder ab. "Wenn uns die ertragsbringende Ipex abhanden käme, gingen uns auch wichtige Erträge für das Fördergeschäft verloren." Dies würde bedeuten, das der Bund den Etat dafür aufstocken oder die Förderung eingeschränkt werden müsste.

Experte: Bankenkrise kostet Steuerzahler 1,8 Milliarden

Der Überweisungsskandal sorgt weiter für Streit in der Politik. Hessens Ministerpräsident Roland Koch schlug vor, die staatliche Bank der Finanzaufsicht BaFin zu unterstellen. Anders als Grüne und FDP lehnte Koch einen Rückzug der Politik aus dem Verwaltungsrat der KfW ab. "Sie ist keine normale Geschäftsbank", sagte er. "Daher ist es richtig, dass Politiker als gewählte Vertreter dort die Verantwortung tragen."

Die Bankenkrise könnte die deutschen Steuerzahler nach Ansicht des haushaltspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion im Bundestag, Carsten Schneider, rund 1,8 Milliarden Euro kosten. Der "BZ am Sonntag" sagte er im Hinblick auf die KfW, es bedürfe nun "exakter Auskunft, wer welche Verantwortung trägt, welches Risikomanagement es gab". Dabei sei zu klären, ob die beiden suspendierten Vorstände die einzigen und wirklich Verantwortlichen waren. Außerdem müssten nach diesem Desaster die Strukturen geändert werden, sagte Schneider weiter. "In der KfW kann kein Stein auf dem anderen bleiben."

rüd/amz/cis/ddp/dpa/AFP

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