Mindestlohn-Einführung Post-Konkurrenten ziehen sich zurück

Bisher war es nur eine Drohung, jetzt ziehen Post-Konkurrenten Konsequenzen aus der Einführung von Mindestlöhnen: Der Springer-Dienst Pin will laut Zeitungsbericht Hunderte Briefträger entlassen, TNT und Hermes stoppen ihren Plan zum Einstieg ins private Briefgeschäft.


Frankfurt/Ratingen - Beschwert hatten sie sich schon lange, nun machen die Konkurrenten der Deutschen Post ernst: Wegen des von der Großen Koalition geplanten Mindestlohns stoppen der niederländische Postdienstleister TNT und der Paketversand Hermes ihre Pläne, der Deutschen Post auf dem Briefsektor Konkurrenz zu machen. Post-Aktien notierten daraufhin deutlich im Plus.

Briefträger der deutschen Post: Mindestlohn schreckt Konkurrenten ab
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Briefträger der deutschen Post: Mindestlohn schreckt Konkurrenten ab

"Ein gemeinsames Angebot an Briefdienstleistungen für Privatkunden und Kleinunternehmen durch TNT Post und die Hermes Logistik Gruppe wird es vorerst nicht geben", hieß es in einer Mitteilung der Unternehmen.

Grund sei die Diskussion um einen Mindestlohn für Briefzusteller. Union und SPD steuern auf diesem Sektor einen Mindestlohn von 9,80 Euro in der Stunde an. Die Wettbewerber des ehemaligen Monopolisten fordern, deutlich niedrigere Löhne zahlen zu dürfen. Der ihrer Meinung nach zu hohe Mindestlohn gefährde den Wettbewerb.

Für die Verbraucher hat das direkte Folgen: Wenn das Briefmonopol in Deutschland Anfang 2008 fällt, können sie ihre Briefe vorerst nicht in den 13.500 bundesweiten Niederlassungen von Hermes abgeben. Ursprünglich war geplant, dass die Paketannahmestellen in Zukunft auch Briefe entgegennehmen. TNT Post will sich einer Sprecherin zufolge weiter auf die Zustellung von Geschäftspost und das Verteilen von Werbung beschränken.

Springer erwägt Ausstieg aus Pin

Auch der Axel-Springer-Verlag kündigte harte Schritte an. Der Konzern prüfe einen Ausstieg aus der Tochter Pin und damit aus dem Briefgeschäft, sagte Konzernchef Mathias Döpfner in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Alle Optionen kämen in Betracht - von Kooperationen über einen Verkauf bis zur totalen Geschäftsaufgabe. Nach einem Bericht der "Rheinischen Post" würde Pin "kurzfristig Hunderte von Stellen abbauen". Wie das Blatt unter Berufung auf gut informierte Kreise schreibt. Springer-Sprecherin Edda Fels wollte dem Bericht zufolge keine Aussagen zum Umfang eines Stellenabbaus sagen.

"Die privaten Dienstleister können sich die Lohnsteigerungen von meist mehr als 30 Prozent nicht leisten", sagte Döpfner der "FAZ". Wettbewerb gegen den Ex-Monopolisten Deutsche Post sei unter diesen Umständen nicht möglich. De facto sei das Postmonopol, das eigentlich zum Januar fallen sollte, "jetzt besser geschützt als vor der Privatisierung".

Springer hatte erst im Sommer die Mehrheit an Pin übernommen und dafür 510 Millionen Euro gezahlt. Pin ist stark verlustreich, Berichten zufolge dürfte die Springer-Tochter dieses Jahr ein Minus von gut 55 Millionen Euro machen.

Der "Focus" hatte am Wochenende außerdem berichtet, dass die Verhandlungen zwischen Springer und TNT ins Stocken geraten seien. Bei den vertraulichen Gesprächen sei sogar über eine Fusion von Pin und TNT gesprochen worden. Früheren Medienberichten zufolge wollte Springer einen Großteil von Pin an TNT verkaufen.

Die Einführung des Post-Mindestlohns ist stark umstritten: Der von Pin und TNT gestützte Branchenverband der Post-Konkurrenten warnt seit längerem, durch den Mindestlohn drohten bis zu 20.000 der 60.000 Stellen bei den Post-Wettbewerbern verlorenzugehen.

Post-Chef Klaus Zumwinkel sagte hingegen, er erwarte im kommenden Jahr einen harten Wettbewerb auf dem Sektor der Geschäftspost. Dort könne es - anders als im deutlich aufwendigeren und margenschwächeren Geschäft mit Privatkunden - zu erheblichen Preiskämpfen kommen.

ssu/AP/AFP/Reuters



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