Minister Japans Finanzen "nahe am Kollaps"

Der japanische Finanzminister hat vor einer Finanzkrise des Landes gewarnt. Der Yen ging daraufhin auf Talfahrt.


Kiichi Miyazawa
AFP

Kiichi Miyazawa

Tokio - "Japans Haushalt steht kurz vor dem Zusammenbruch", sagte Finanzminister Kiichi Miyazawa am Donnerstag vor dem Parlament. Japan ist mit rund 11,5 Billionen Mark verschuldet. Das sind 130 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - die höchste Verschuldung eines Industriestaates.

Miyazawa forderte harte Entscheidungen, um das Defizit zu senken. Dies betreffe sowohl den Schuldenabbau, als auch die Steuerpolitik und die Sozialversicherung. Details nannte er nicht. Ein von der Regierung eingesetzter Rat beschäftigt sich laut Miyazawa derzeit mit einer grundlegenden Reform der Finanzpolitik. Beobachter werteten die Aussagen des Ministers als Vorstoß gegen weitere Nachtragshaushalte und eine damit verbundende Ausweitung des Defizits.

Das Defizit ist vor allem deshalb angeschwollen, weil die Regierung Milliarden ausgegeben hat, um die schlimmste Rezession der Nachkriegsgeschichte zu bekämpfen. Seit 1992 wurden zehn Investitionsprogramme aufgelegt, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Nach den Bemerkungen des Ministers sank der Kurs des Yen auf eine neues 20-Monats-Tief gegenüber dem Dollar.

Beobachter sagten, Miyazawa sei so deutlich geworden, weil er nichts zu verlieren habe. Wahrscheinlich werde er gleich nach dem Rücktritt von Premierminister Yoshiro Mori selbst zurücktreten. Der unpopuläre Mori wird voraussichtlich in den kommenden Wochen aus dem Amt ausscheiden.



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