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Aufsichtsräte »Miserable Führung«

aus DER SPIEGEL 42/1994

Die Zeiten sind schwierig für Hilmar Kopper. Im eigenen Unternehmen gerät der Sprecher der Deutschen Bank zunehmend unter Druck. Das Image des Geldhauses, klagt ein Vorstand, war »noch nie so schlecht«. Die Art, in der Kopper die Bank in der Öffentlichkeit präsentiere, sei »schlicht eine Katastrophe«.

Und nun regt sich gar bei Daimler-Benz, der wichtigsten Industriebeteiligung der Bank, Widerstand gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Kopper. Daimler-Vorstände werfen dem Kontrolleur eine »nicht mehr akzeptable Taktiererei« und »miserablen Führungsstil« vor.

Vor fast zwei Jahren bereits hatte Kopper verkündet, daß er den Aufsichtsratsvorsitz an Daimler-Chef Edzard Reuter übergeben wolle, wenn dessen Vertrag ausläuft. Mitte dieses Jahres wollte Kopper die Entscheidung offiziell verkünden.

Doch als es soweit war, setzte der Bankier das Thema nicht einmal auf die Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung. Seitdem ist der Posten des Chefkontrolleurs bei Daimler Gegenstand von Spekulationen, Intrigen und Kleinkrämerei.

Jetzt macht sich der Daimler-Benz-Vorstand dafür stark, daß sein Vorsitzender Chef des Kontrollgremiums wird. Der Aufsichtsrat des größten deutschen Konzerns, so ein Vorstand, müsse viel mehr Zeit für diese Aufgabe haben. Ein Bankier, der vom Industriegeschäft »ohnehin nicht viel Ahnung hat« und »im eigenen Haus viel zu tun«, könne dies gar nicht leisten.

Für Daimler-Manager hat sich bereits gezeigt, daß Kopper den Job nicht voll ausfüllt. Seit Anfang des Jahres stand fest, daß Finanzvorstand Gerhard Liener seine Stelle vorzeitig räumen soll. Doch der erfuhr seine geplante Entlassung aus dem SPIEGEL, weil Kopper die unangenehme Botschaft allzulange zurückhielt.

Kopper weiß um seine Schwächen. Vom Industriegeschäft verstehe ein Bankier nicht viel, begründete er selbst einst seinen geplanten Rückzug. Zudem wollte er ein Zeichen setzen. Wenn die Allmacht der Banken kritisiert werde, könne dies künftig nicht mehr damit begründet werden, daß sie über den Aufsichtsratsvorsitz die größten Konzerne des Landes steuerten.

Seit der Sprecher der Bank aber wegen einer Reihe von Pannen seines Instituts selbst kritisiert wird, bereitet er leise den Rückzug vom Rückzug vor. Der Verzicht auf den prestigeträchtigen Posten bei Daimler, einst als Zeichen der Stärke und Souveränität geplant, könnte ihm nun als Signal der Schwäche ausgelegt werden.

Kopper spielt zunächst auf Zeit. Noch gebe es Einwände gegen den Wechsel von Reuter auf den Vorsitz des Aufsichtsrats. Zwei Kontrolleure beispielsweise, Johannes Semler und Michael Endres, finden Reuters Leistung als Konzernführer nicht überzeugend und sind dagegen, daß er Kopper ablöst.

Wie im Fall Liener taktiert Kopper nun auch mit Daimler-Chef Edzard Reuter. Der Bankier ist längst entschlossen, Reuter den Aufsichtsratsvorsitz nicht mehr anzubieten. Aber er zögert, dem Vorstandsvorsitzenden seinen Sinneswandel zu erklären.

Für Verärgerung sorgt Kopper damit nicht nur im Daimler-Management, sondern auch im Aufsichtsrat. Ein Kontrolleur: »Das ist nicht mangelnder Mut, das grenzt schon an Feigheit.«

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