Missbrauch von Marktmacht EU will Intel-Vertriebspraktiken verbieten

Rabatte für den PC-Hersteller, Werbekostenzuschüsse für den Händler - und im Gegenzug gibt's nur "Intel inside". Die EU hat den Vertrieb des Chip-Riesen schon lange im Visier. Nun wollen die Wettbewerbshüter einem Bericht zufolge die Praktiken verbieten. Dem Konzern droht eine Milliardenstrafe.


Berlin - Die EU plant einem Zeitungsbericht zufolge ein Verbot der Vertriebspraktiken des weltgrößten Computerchipherstellers Intel. Die EU werfe dem Konzern vor, seine Marktmacht zu missbrauchen, um Rivalen zu verdrängen, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung Brüsseler EU-Kreise.

Intel-Zentrale in Santa Clara, Kalifornien: Im Visier der EU
AP

Intel-Zentrale in Santa Clara, Kalifornien: Im Visier der EU

Die Wettbewerbsbehörde habe nach jahrelangen Recherchen genug belastende Beweise. Die Kartellwächter wollen damit die Marktmacht des US-Konzerns in Europa brechen. Die offizielle Entscheidung solle im Spätsommer veröffentlicht werden, schreibt die Zeitung. Faktisch habe sich EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes jedoch bereits für ein Verbot entschieden, berichtete die Zeitung.

Die EU-Kommission hatte bereits im Juli 2007 ein Verfahren gegen Intel eingeleitet. Die Wettbewerbshüter werfen Intel vor, den US-Konkurrenten AMD mit illegalen Praktiken vom Markt für Computer-Prozessoren ferngehalten zu haben. Derzeit habe Intel bei PC-Prozessoren einen Weltmarktanteil von fast 80 Prozent.

Intel müsse die bisherige Art, seine Prozessoren mit Rabatten an PC-Hersteller zu vermarkten, aufgeben, hieß es laut "FTD" in Brüssel. Zudem sollen dem Konzern Werbekostenzuschüsse an Händler untersagt werden, sofern Intel dafür Exklusivität im Sortiment verlangt.

Neben dem Verbot des bisherigen Vertriebs drohe Intel eine Geldbuße von maximal zehn Prozent des Jahresumsatzes; das wären nach Angaben der Zeitung umgerechnet 2,6 Milliarden Euro. Ein Sprecher der EU-Kommission habe den Bericht nicht kommentieren wollen, hieß es.

phw/Reuters/dpa



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