Misstrauen Kik überprüft finanzielle Situation von Mitarbeitern

Mitarbeiter unter Generalverdacht: Wer Schulden hat, soll bei Kik offenbar nicht an der Kasse eingesetzt werden. Deswegen überprüfte die Personalabteilung des Textil-Discounters die Bonität seiner Mitarbeiter bei Creditreform - und bekam regelmäßig Auskunft.

Bönen/Düsseldorf - Der Textil-Discounter Kik hat mehrfach Informationen über die Verschuldung seiner Mitarbeiter eingeholt. Das Unternehmen aus dem westfälischen Bönen bestätigte am Dienstag Zeitungsberichte, nach dem es einzelne Beschäftigte über die Wirtschaftsauskunftei Creditreform überprüfen ließ.

Wie die "Ostfriesen-Zeitung" und der im ostfriesischen Rhauderfehn erscheinende "General-Anzeiger" vom Dienstag aus einem internen Schreiben der Kette zitierten, fragt die Kik-Personalabteilung "viermal jährlich, und zwar im März, im Juni, September und Dezember" Daten wie die Kreditwürdigkeit der Belegschaft bei der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ab. Über die Ergebnisse solcher Anfragen hätten die Kik-Verkaufs- und Bezirksleiter "automatisch im Folgemonat eine Auswertung" mit allen Mitarbeitern erhalten, für die ein negativer Eintrag vorliege.

KiK mache die Abfrage von der Tätigkeit der Mitarbeiter abhängig, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens. "Damit wollen wir sicherstellen, dass Arbeitnehmer mit negativen Einträgen nicht in sensiblen Arbeitsbereichen wie zum Beispiel für Kassiertätigkeiten eingesetzt werden."

Regelmäßige Anfragen bei der Auskunftei seien schon lange nicht mehr erfolgt, erklärte die Kik-Sprecherin. Dennoch hole der Discounter dort nach wie vor Informationen über seine Mitarbeiter ein. Mittlerweile erfolgten die Anfragen aber "nicht pauschal über den gesamten Mitarbeiterstamm", sondern orientierten sich "am berechtigten Interesse und der Tätigkeit des Mitarbeiters", erklärte die Kik-Sprecherin.

Die nordrhein-westfälische Datenschutzbeauftragte prüfe den Sachverhalt, sagte ein Behördensprecher. Grundsätzlich seien die Prüfungen der Zahlungsfähigkeit zulässig - aber nur, sofern ein berechtigtes Interesse bestehe. Ein Sprecher der Datenschutzbehörde bestätigte dem WDR, dass der Vorgang überprüft werde. In etwa zwei Wochen wolle man dazu Stellung nehmen. Solch einen Fall habe es bislang noch nie gegeben.

KiK, ein Tochterunternehmen des Einzelhandelskonzerns Tengelmann, betreibt derzeit 2700 Filialen in sechs Ländern Europas und beschäftigt rund 18.000 Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2007/2008 betrug 1,4 Milliarden Euro.

ore/dpa/ddp/AFP

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.