Existenzgründung Mit dem Smartphone barrierefrei ins Kino

Zur Kinonacht gehört für Seneit Debese nicht nur Popcornduft, sondern auch das Smartphone. Sie hat eine App entwickelt, die Kinoerlebnisse für blinde und gehörlose Menschen selbstverständlich macht.

KfW Bankengruppe / Frank Blümler

Wenn im Kino das Licht ausgeht, können nun auch Besucher dem Film folgen, denen ein solches Erlebnis bisher verwehrt blieb. Möglich macht das die App "Greta". Sie schildert in den Dialogpausen das Geschehen auf der Leinwand. Sehbehinderte oder blinde Menschen tragen für diese Audiodeskription genannten Hörfassungen einen Kopfhörer. Alternativ liefert Greta synchrone Untertitel und beschreibt Geräusche im Film für hörgeschädigte Zuschauer.

Gründerin Seneit Debese beschreibt sich selbst als einen "Marketing-Typ mit sozialer Mission". Die Filmbranche lernte sie als Controllerin bei einem Kinoverleiher kennen. Dann machte sie sich mit einem eigenen Verleih für Independent-Filme selbstständig, vermittelte Sponsoren und produzierte Reportagen.

Der Wendepunkt kommt, als sie an einem Portrait über eine blinde Läuferin aus Eritrea arbeitet, die von der Kinokultur ausgeschlossen ist. "Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich konnte nicht verstehen, dass man seit fast 50 Jahren auf den Mond fliegen, aber so etwas Einfaches wie individualisierte Audiodeskriptionen im Kino nicht anbieten kann. Da ich wusste, welch große Hilfe ein Smartphone für blinde Menschen ist, wollte ich mit einer App eine flächendeckende und ortsunabhängige Lösung schaffen", erinnert sich Debese.

Alle modernen Mobiltelefone sind mit einer VoiceOver-Funktion ausgestattet. Ist sie aktiviert, wird alles in Sprache ausgegeben. So sagt das Gerät, wer anruft und liest E-Mails und andere Texte vor, beispielsweise den Fahrplan oder das Kinoprogramm. Die technologische Basis zum Abspielen von Audiodeskriptionen ist damit vorhanden.

Doch eine App-Entwicklung kostet viel Geld und viele raten der Gründerin ab, auch weil es nirgendwo auf der Welt eine vergleichbare Anwendung gibt. Dennoch beginnt sie, sich um Förderung zu bemühen und als der Kooperationspartner Ericsson eine erste Version programmiert, hilft der Zufall etwas nach: Die Richtlinien der deutschen Filmförderung ändern sich. Nur Produktionen, die mit Audiodeskription und Untertitelung ausgestattet sind, werden gefördert. Für Debese ein Ansporn, das Konzept noch energischer voranzutreiben.

Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg baut ihr kleines Team heute den Markt in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Luxemburg und Israel auf. Viele weitere Länder wie Polen, Brasilien, Südkorea und auch Hong Kong haben bereits ihr Interesse bekundet. "Es ist kein Nischenprodukt. Wir arbeiten mit den Majors zusammen, also wichtigen US-amerikanischen Produktionsfirmen und Verleihern. Daher sind auch Blockbuster wie Star Wars von Disney oder Fast and Furious von Universal bei uns gelistet", sagt Andres Schüpbach, Marketing-Verantwortlicher und Geschäftspartner von Seneit Debese.

Die Bahn ist also frei für eine Weiterentwicklung des Produkts. Um das Untertitelerlebnis wesentlich komfortabler zu gestalten, arbeitet Debeses Firma "Greta & Starks Apps" an einer neuartigen Hardware. Ein optisches Display in einem Headset projiziert die Untertitel auf die Leinwand. "Solche Wearables werden in absehbarer Zeit zum Kino gehören wie heute die 3D-Brille. Damit werden wir dann künftig Untertitel in verschiedenen Sprachen anbieten", verrät Schüpbach.

Besonders wichtig ist Greta & Starks, dass die App für die Nutzer kostenlos bleibt. Das ist möglich, weil die Verleiher das Unternehmen mit der Bereitstellung beauftragen. Für die Entwicklung der Audiodeskriptionen arbeiten dann nicht nur Regisseur und Sprecher zusammen, auch die Anwender sind eingebunden, da nur sie die Qualität beurteilen können. Die barrierefreien Versionen kosten die Verleiher rund 8.000 bis 10.000 Euro pro Film, ca. 15% erhält davon Greta & Starks - eine Investition in Kinoerlebnisse, die alle erreichen.

KfW Gründerpreis

Seneit Debese ist Gewinnerin des KfW Award Gründen 2017. Seit 1998 zeichnet die KfW Bankengruppe Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit mit dem KfW Award Gründen aus. Für den renommierten Preis können sich Start-ups aller Branchen bewerben, die ihren Sitz in Deutschland haben.

Die KfW fördert

Wer in Deutschland gründen möchte erhält mit dem ERP-Gründerkredit – StartGeld bis zu 100.000 Euro Kredit, um ein Unternehmen einzurichten und zu betreiben. Das Besondere: Da die KfW 80% des Kreditausfallrisikos von Ihrer Bank übernimmt, erhalten Sie den Kredit in der Regel umso leichter.

Mit dem ERP-Gründerkredit – Universell fördert die KfW alle Formen der Existenzgründung in Deutschland oder im Ausland, auch im Nebenerwerb oder eine erneute Gründung. Sie erhalten bis zu 25 Mio. Euro Kredit, um ein Unternehmen einzurichten oder zu übernehmen und innerhalb der ersten 5 Jahre zu festigen.

Alle Informationen zur KfW Gründungsförderung finden sie unter: http://www.Kfw.de/gruenden


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