Mitarbeiterbeteiligung Bundesregierung will Investivlohn steuerlich fördern

Die von SPD-Chef Kurt Beck angestoßene Debatte über Investivlöhne als Mitarbeiterbeteiligung gewinnt an Kontur: Das Wirtschaftsministerium will nach SPIEGEL-Informationen Arbeitnehmer steuerlich begünstigen, wenn sie einen Teil ihres Einkommens in ihr Unternehmen investieren.


Hamburg - Nach Überlegungen des Bundeswirtschaftsministeriums sollen Arbeitnehmer künftig jährlich bis zu 1200 Euro ihres Lohnes in ihrem Unternehmen steuerfrei investieren dürfen. Das geht aus einem Eckpunktepapier von Beamten des Ministeriums für Ressortchef Michael Glos (CSU) zum Investivlohn hervor. Dieser Höchstbetrag sei "erforderlich, aber auch angemessen", heißt es in der Vorlage. Die Mitarbeiter-Beteiligung dürfe die Mobilität der Arbeitnehmer aber nicht einschränken.

"Die Übertragbarkeit der Beteiligung bei einem Wechsel des Arbeitgebers sollte ohne steuerliche Nachteile möglich sein", schreiben die Beamten. Sie schlagen ihrem Minister vor, das bestehende 5. Vermögensbildungsgesetz zu einem Mitarbeiterbeteiligungsgesetz weiterzuentwickeln. Das Engagement der Belegschaften an ihrem Unternehmen solle "strikt freiwillig sein, und zwar für beide Seiten", heißt es in dem Papier. Weil die Belegschaft bei einer solchen Konstruktion einen Teil des unternehmerischen Risikos übernehme, sollte die "Mitarbeiter-Beteiligung grundsätzlich nicht mit Altersvorsorge verwechselt oder vermengt werden".

Politiker von SPD und Union überschlagen sich derzeit mit Ideen für den Investivlohn. Vor zwei Wochen hatte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) ein eigenes Drei-Stufen-Modell zur Einführung eines solchen Lohns bis 2008 vorgeschlagen. In Sachen Steuerfreiheit bleibt sein Modell unter dem Vorschlag des Wirtschaftsministeriums: Stoiber zufolge solle die Beteiligung von Beschäftigten an Gewinn und Kapital ihres Unternehmens bis zu 300 Euro steuerfrei bleiben.

kaz



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unicoma, 04.12.2006
1.
---Zitat von sysop--- Arbeitnehmer sollen im Zuge des aktuellen Aufschwungs wieder intensiver am Wirtschaftswachstum beteiligt werden. Ist hierzu der Investivlohn die richtige Idee? ---Zitatende--- Das kommt auf die Ausgestaltung an. Wenn Hr. Beck von "einem zusätzlichen Prozent Lohn&Gehalt" ausgeht, ist er wohl eher auf dem Holzweg, weil es, auf Grund der heterogenen Struktur innerhalb der einzelnen Branchen der dt. Wirtschaft, kaum möglich sein wird, einen Investivlohn auf Tarifbasis einzuführen. Da werden die Gewerkschaften in D erstmal flexibler werden müssen, d.h. sich auch mal dazu herablassen, mit dem Mittelständler um die Ecke zu reden und nicht nur mit dem Großunternehmen, wo anschl. auf der Vorstandsetage der Secktempfang wartet.
ender, 04.12.2006
2. Unding
---Zitat von sysop--- Arbeitnehmer sollen im Zuge des aktuellen Aufschwungs wieder intensiver am Wirtschaftswachstum beteiligt werden. Ist hierzu der Investivlohn die richtige Idee? ---Zitatende--- Mitarbeiterbeteiligung ist grundlegend eine der besten Möglichkeiten zur allgemeinen Motivation aller Beschäftigten in einem Unternehmen und zur Unterstützung von Zusammenarbeit gegenüber Abteilungs- und anderen Grabenkämpfen. Ich würde daher jedem Unternehmer empfehlen, auf die eine oder andere Art, seine Mitarbeiter glaubhaft und für diese nachvollziehbar am Gewinn des Unternehmens zu beteiligen. Eine echte Beteiligung im Sinne von Eigentumsrechten an der Substanz hat aber viele Nachteile: 1.) Großer Verwaltungsaufwand (Jeder Zu-und Abgang stellt eine Transaktion von Unternehmensanteilen dar) 2.) Schwierige Frage: Dürfen die Anteile frei verkauft werden? Wenn nicht, ist es wiederum kein echtes Eigentum ... 3.) Das Mitspracherecht für den einzelnen Mitarbeiter ist praktisch nicht existent. Selbst wenn die Gesamtheit der Mitarbeiteranteile so groß ist, dass etwa eine Sperrminorität besteht, muss dieses Stimmrecht durch entsprechende Vertreter (Betriebsrat, Gewerkschaft, etc.) ausgeübt werden. Der Mitarbeiter selbst muss also u.U. wiederum damit leben, dass sein Stimmrecht der Mehrheitsmeinung (z.B. Betriebsrat) untergeordnet werden muss. Er hat also wiederum keine freie Verfügung über sein Eigentum. Deshalb ist es auch wenig einsehbar, wenn eine solche Beteiligung auf gesetzlichen Zwang beruht, da damit auch ein Risiko (Wertverlust der Anteile) verbunden ist. Fazit: a) Ich empfehle jedem Unternehmer, freiwillig ein einfaches und für die Mitarbeiter nachvollziehbares System der Gewinnbeteiligung zu installieren. b) Eine echte Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen ist für beide Seiten ungünstig. Eine gesetzlich verordnete Mitarbeiterbeteiligung wäre ein absolutes Unding. Würde aber zur derzeit praktizierten Politik in Deutschland wunderbar passen! ender
mige, 04.12.2006
3. natürlich
Natürlich möchte Herr Beck und Müntefering "anständige" Löhne. Dann steigen die Preise und es klingelt in der Steuerkasse. Investivlohns gesetzlich verankern... ja toll, irgendwie muss ja der Aufschwung gebremst werden.
Peter Sonntag 04.12.2006
4. Gelebte und gequatschte Demokratie
---Zitat von unicoma--- "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." (Voltaire) ---Zitatende--- Ja. Ja, ja..... Mit dem Thema Investivlohn können wir uns nun wieder für mindestens eine Woche beschäftigen, bis das nächste weibliche Schwein durchs Dorf getrieben wird. Unsere Nicht-Volks-Vertreter äußern ja schon wieder ein breites Spektrum von Meinungen. Und das Volk (inclusive Stammtische) staunt mit offenen Mäulern über den Einfallsreichtum dieser Macht-Inhaber.
Marcel 04.12.2006
5. Gehaltserhöhung - bitte aber auch für angestellte des Staats
Wenn Herr Müntefering schon Gehaltserhöhungen bzw. Gewinnbeteiligungen in der freien Wirtschaft fordert, soll er bitte auch bei sprudelnden Steuereinnahmen die staatlichen Angestellten an den Mehreinnahmen beteiligen. Dort gibt es teilweise noch nicht einmal ein Weihnachtsgeld. Gleiches Recht für alle - aber scharf ist er nur auf die höheren Steuereinnahmen aus der freien Wirtschaft. Und ich tanke weiter in Österreich und der Schweiz.
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