Mitarbeiterbeteiligung DGB will mehr Arbeiter zu Aktionären machen

Auch Gewerkschafter sollen Eigentümer werden: Der DGB unterstützt Bundeskanzlerin Angela Merkel und will mehr Arbeiter zu Aktionären machen. Dafür sollen als Lohn gezahlte Aktien begünstigt werden und bis 2000 Euro im Jahr steuerfrei sein.


Berlin - "Insbesondere bei Kapitalbeteiligungen fehlen steuerliche Anreize", heißt es in einem Papier des DGB-Bundesvorstands, das dem SPIEGEL vorliegt. Dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten derzeit lediglich Aktien im Wert von maximal 135 Euro steuerfrei anbieten dürfen, sei ein "zentrales Hindernis". Die Gewerkschafter schlagen deshalb vor, den Rahmen der Steuerbegünstigung deutlich auszuweiten; die Rede ist von 2000 Euro im Jahr.

Grundsätzlich unterstützt der DGB den Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine stärkere Unternehmensbeteiligung von Beschäftigten, warnt jedoch vor allzu großer Euphorie. "Nicht zuletzt der Zusammenbruch der New Economy hat gezeigt, welche katastrophalen Folgen Wertschwankungen von erworbenen Aktien haben können", heißt es in dem Papier.

SPD-Fraktionschef Peter Struck sieht bei dem Thema noch erheblichen Gesprächsbedarf in der Großen Koalition. "Da braucht es noch eine Menge geistiger Arbeit, bis wir Lösungen finden, die von den Beteiligten akzeptiert werden", sagte Struck der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Die Gewerkschaften wollten zu Recht die Risiken abgesichert wissen. Man solle die Arbeitnehmer zwar am Wohl ihrer Firma beteiligen. Allerdings müsse bei möglichen Verlusten der Unternehmen berücksichtigen, dass Arbeitnehmer keine große Reserven hätten.

Die Spitzen von SPD und Union hatten sich bisher optimistisch über eine baldige Einigung zu den so genannten Investivlöhnen gezeigt. Nach Merkel, SPD-Chef Kurt Beck und CSU-Chef Edmund Stoiber sprach sich auch der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer für die geplante Gewinnbeteiligung von Arbeitnehmern aus. "Der Investivlohn ist gut und richtig", sagte der Verbraucherschutzminister der "Bild am Sonntag". "Wir diskutieren seit Jahrzehnten über solche Modelle. Ich hoffe, dass wir da jetzt auch ganz praktisch vorankommen".

Die CDU plant eine Entschließung zu Investivlöhnen auf ihrem Bundesparteitag, der am Montag in Dresden beginnt.

cvo/ap



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.