MobilCom Gerhard lässt das Tricksen nicht

Immer dann, wenn man MobilCom für beinahe gerettet hält, kommt doch etwas dazwischen. Nun ist Streit zwischen der Bundesregierung und Firmengründer Gerhard Schmid aufgeflammt, der eigenmächtig einen Vertrag geändert haben soll.


Großaktionär Schmid: Vertragstext einseitig abgeändert?
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Großaktionär Schmid: Vertragstext einseitig abgeändert?

Büdelsdorf - Am Freitagabend gegen 19.30 Uhr kam die Meldung, die ein Ende des Hickhacks versprach: MobilCom-Gründer Gerhard Schmid und Millennium, die Firma seiner Frau Sibylle Schmid-Sindram, hätten einen lange strittigen Vertrag unterzeichnet und ihre MobilCom-Aktien einem Treuhänder übereignet. Eben diesen Vertrag aber zweifelt die Bundesregierung nun an - und die Rettung des Büdelsdorfer Unternehmens verzögert sich abermals.

Schmid hat den zwischen beiden Seiten ausgehandelten Vertragstext, der als Voraussetzung für einen Kompromiss mit Noch-Anteilseigner France Télécom gilt, nach Darstellung des Bundeswirtschaftsministeriums einseitig abgeändert und dann unterzeichnet. Um welche Vertragsänderungen es sich dabei handelte, wurde zunächst nicht bekannt. Schmid wies die Kritik der Regierung zurück.

Der Treuhänder kann erst eingesetzt werden, wenn die Regierung den Vertragsentwurf ebenfalls unterzeichnet hat. Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Telefongesellschaft Debitel, Joachim Dreyer, solle die Aufgabe vorläufig übernehmen. Eine Quelle für diese Information nannte die Zeitung nicht.

Großaktionär France Télécom hat zwar grundsätzlich zugesagt, Mobilcom-Schulden von annähernd sieben Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Nach monatelangem Streit mit Firmengründer Schmid über finanzielle Verpflichtungen aus einem Kooperationsabkommen für den UMTS-Aufbau will der Konzern aber offenbar erreichen, dass Schmid keinen Einfluss mehr auf Mobilcom nimmt.

Auf einem Krisengipfel zur Abwendung der Insolvenz von Mobilcom im September hatten alle Beteiligten zugesagt, rechtliche Streitigkeiten einzustellen, um einen Kompromiss zu ermöglichen. Schmid sagte dabei zu, seine Anteile auf einen Treuhänder zu übertragen. Die Bundesregierung vermittelte ein Finanzpaket von zwei öffentlichen Banken, mit dem Mobilcom vor einer Insolvenz gerettet werden soll.



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