MobilCom-Hauptversammlung France Télécom demütigt Schmid

Schmerzhafte Ohrfeige für den MobilCom-Chef: Die Hauptversammlung hat Gerhard Schmid mit den Stimmen des Großaktionärs France Télécom die Entlastung verweigert. Zuvor hatte der Chef des Aufsichtsrates Schmid Gesetzesbruch vorgeworfen.


Schmid auf der HV: Anwürfe von allen Seiten
DPA

Schmid auf der HV: Anwürfe von allen Seiten

Hamburg - 85,89 Prozent des stimmberechtigten Kapitals gegen die Entlastung: Das ist die Mehrheit, mit der die Aktionäre in Hamburg den Gründer und Chef des Telekommunikationsunternehmens aus Büdelsdorf abgestraft haben. Vor allem der Großaktionär France Télécom hat damit dafür gesorgt, dass Schmid einen weiteren Nackenschlag verpasst bekommt. Schmid selbst, der gemeinsam mit seiner Frau über eine Mehrheit in der Hauptversammlung verfügt, durfte nicht mitstimmen. Die fehlende Entlastung zieht allerdings an sich keine gravierenden Konsequenzen nach sich.

Sprengkraft birgt aber der Vorwurf des Gesetzesbruches: Der Aufsichtsrat hatte Schmid zu Beginn der Hauptversammlung einen Verstoß gegen das Aktienrecht vorgeworfen, Aktionäre forderten daraufhin Schmids Rücktritt. Der Aufsichtsrat hatte zuvor in einer Nachtsitzung festgestellt, dass Schmid bei einem MobilCom-Geschäft mit der Firma seiner Ehefrau seinen Finanzvorstand nicht informiert und Zahlungen ohne Vertragsgrundlage und Sicherheiten geleistet hatte. Der Aufsichtsrat machte das gesamte Geschäft rückgängig.

Verbotenes Insider-Geschäft?

Selten hatten die Aktionäre den sonst so selbstsicheren MobilCom-Gründer derart kleinlaut gesehen. "Es tut mir leid. Ich habe das so nicht realisiert", sagte Schmid vor den knapp 500 Aktionären. Er werde sicherstellen, dass dem Unternehmen kein Schaden entstehe. In das umstrittene Geschäft ist die Firma Millennium GmbH von Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram einbezogen, die 3,6 Millionen Aktien für ein Optionsprogramm zur Verfügung gestellt hatte. Damit sollten Händler zum Verkauf von MobilCom-Produkten motiviert werden. Großaktionär France Télécom hatte den Verdacht gehegt, dass hier ein verbotenes Insidergeschäft vorliege.

Dieser Verdacht wurde durch ein Gutachten der Prüfungsgesellschaft BDO nicht bestätigt. France Télécom wollte auf der Hauptversammlung zunächst ein weiteres Gutachten erwirken, zog den Antrag nach einer längeren Unterbrechung aber wieder zurück.

Schmids Aktienverkauf weiter fraglich

Die Frage, ob Schmid seine MobilCom-Anteile wie angekündigt verkaufen kann, kommentierte er nur knapp. Es gebe Anzeichen für "Fortschritte bei der bilanzverträglichen Refinanzierung von MobilCom bei France Télécom". Es existiere keine vertragliche Abmachung mit France Télécom, dass sie seine Aktien zu einem Preis von 22 Euro übernimmt. Er habe lediglich seine Bereitschaft erklärt, die Aktien zu diesem Preis abzugeben, sagte Schmid. Auch auf Nachfragen wurde nicht klar, wann Schmid seine Anteile abgibt und ob die Kleinaktionäre mit einer Abfindung rechnen können. Diese Ausführungen Schmids stießen bei Aktionärsvertretern auf wenig Beifall. "Ich bin wenig klüger als vorher", sagte Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Zurückhaltung, vor allem aber gespaltene Gefühle prägten die Stimmung im Saal, als Schmid und sein Finanzchef den Aktionären Rede und Antwort standen. "Herr Schmid muss kleinere Brötchen backen", sagte Aktionär Rolf Stoecker aus Hamburg. Ganz ähnlich sah das auch Investor Rudolf Silberhorn. Der Hamburger, der sich selbst als "Aktionär der ersten Stunde" bezeichnet, hatte den harsche Kritik an Schmid vorhergesehen. Silberhorn: "Insgeheim wusste schon jeder, was zu erwarten war".

"Die ganze UMTS-Geschichte" und Angst vor der Insolvenz

Vor allem die Querelen um die UMTS-Lizenzen beschäftigten die Kleinaktionäre. "Die ganze UMTS-Geschichte wurde zu spät erkannt", sagte Silberhorn. Von seinen anfangs 300 Aktien hält der Hamburger derzeit nur noch acht Stück. Der Kurs der Papiere sackte während der Hauptversammlung von 17 auf unter 14 Euro.

Schmid hingegen hält an seinen Visionen für den neuen Mobilfunk- Standard UMTS unverändert fest. Der gesamte Markt werde neu verteilt; MobilCom habe durch die neue Technik enorme Wachstumschancen. Erstmals berichtete der MobilCom-Chef auch von der aussichtsreichen Bewerbung um einen Großauftrag der Bundeswehr, der allein rund zwei Milliarden Euro Umsatz für MobilCom bringen könnte.

Die mögliche Insolvenz seines Unternehmens ist für Schmid "nur eine theoretische Möglichkeit". Er habe keinen Anlass, sich damit intensiv zu beschäftigen. Er bestätigte allerdings, dass MobilCom fällige Großkredite über 4,7 Milliarden Euro nur ablösen kann, wenn France Télécom dafür einsteht. Andernfalls müsse MobilCom in die Insolvenz.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.