MobilCom Schmid erhält über 500 Millionen Euro

Der Streit zwischen den beiden MobilCom-Großaktionären Gerhard Schmid und France Télécom neigt sich dem Ende zu. Unternehmensgründer Schmid verlässt das Unternehmen und wird ausgezahlt - vermutlich in bar.

Büdelsdorf - Der französische Telekommunikationskonzern und Schmid einigten nach einer Mitteilung vom Dienstag darauf, dass der Gründer des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters seine Anteile an eine Gruppe von Banken abgibt und sich danach aus dem Unternehmen zurückzieht.

Schmid hält nach eigenen Angaben 39,7 Prozent der MobilCom-Aktien. Je Aktie soll er 22 Euro bekommen - gut sechs Euro mehr als der derzeitige Börsenkurs. Dies entspräche insgesamt einer Summe von 573.764.059 Euro.

Großaktionär France Télécom, der Schmid wegen eines Streits über die UMTS-Strategie in Deutschland zum Ausstieg gedrängt hatte, betonte in Paris, man plane kein Übernahmeangebot für Mobilcom. Der französische Konzern werde auch keine Verpflichtung eingehen, die von Schmid veräußerten Aktien den Banken später abzukaufen.

Eine solche Einigung mit Schmid werde das finanzielle Risiko von France Telecom erheblich reduzieren, sagte Finanzvorstand Jean-Louis Vinciguerra. Die Gespräche mit den anderen Beteiligten sollten in dem Ziel fortgesetzt werden, eine für alle akzeptable Lösung zu finden. Derzeit gebe es aber keine Gewissheit, dass eine solche Lösung gefunden werde, betonte France Telecom. Noch offen war den Angaben zufolge indes, ob alle MobilCom-Aktionäre ein Übernahmeangebot erhalten sollen.

Ende des wochenlangen Streits

Mit der sich nun abzeichnenden Lösung geht ein wochenlang öffentlich geführter Streit um die Strategie beim Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland zu Ende, der die Existenz von MobilCom in Gefahr zu bringen drohte. Der Kurs der am Neuen Markt notierten MobilCom-Aktie   legte erneut zu.

Schmid hatte in einem vorab veröffentlichten Interview des Anlegermagazins "Die Telebörse" gesagt, er werde sämtliche Anteile an Banken verkaufen, die von France Télécom ausgewählt würden. Wenn er die letzte Aktie übergeben habe, werde er aus dem Vorstand der MobilCom AG ausscheiden. Das sei spätestens Mitte April der Fall.

Bargeld lacht

Das Magazin berichtete weiter, entgegen anders lautender bisheriger Presseberichte solle Schmid die Kaufsumme für sein Aktienpaket in bar erhalten. Am Montag hatte es geheißen, Schmid erhalte für seine Anteile voraussichtlich Aktien der Mobilfunktochter von France Télécom, Orange.

Der Finanzchef von France Télécom, Jean-Louis Vinciguerra sagte in einer Telefonkonferenz, die Banken seien generell bereit, den Anteil Schmids an MobilCom zu übernehmen. Es seien aber noch keine konkreten Bedingungen ausgehandelt worden. Vinciguerra bezeichnete die Übereinkunft mit Schmid als "Waffenstillstand". Es gebe noch keine Garantie, dass der Streit endgültig beigelegt sei. Nach Schmids Ausscheiden werde France Télécom nicht die operative Kontrolle über MobilCom haben.

France Télécom ist bereits mit 28,5 Prozent zweitgrößter Aktionär von MobilCom. Schmid kann zusammen mit seiner Ehefrau insgesamt 49,9 Prozent an dem Büdelsdorfer Unternehmen kontrollieren. Vorstand und Aufsichtsrat von MobilCom begrüßten die zwischen Schmid und France Télécom getroffene Vereinbarung. Damit sei die Zukunft und die Finanzierung des Unternehmens gesichert. In weiteren Gesprächen mit France Télécom und deren Mobilfunktochter Orange solle versucht werden, eine für alle akzeptable Lösung zu finden.

In den vergangenen Tagen hatte sich bereits ein Modell angebahnt, wonach Schmid sich von seinen Anteilen trennt und diese vorübergehend bei einem internationalen Bankenkonsortium "parkt". Die Anteile sollten dann später an France Télécom weitergereicht werden, wenn der mehrheitlich in französischem Staatsbesitz liegende Telekomkonzern seinen hohen Schuldenstand von derzeit rund 61 Milliarden Euro verringert habe, hatte es geheißen.

MobilCom und France Télécom hatten wochenlang öffentlich über die sich aus einem Kooperationsabkommen ergebenden Finanzierungsverpflichtungen der Franzosen beim Aufbau des UMTS-Mobilfunknetzes in Deutschland gestritten. Während Schmid bis Ende 2003 rund 1,4 Milliarden Euro investieren und möglichst schnell mit einem UMTS-Angebot starten wollte, verlangte France Télécom die Ausgaben zu strecken. Der französische Konzern strebt nach eigener Aussage eine Kooperation von MobilCom mit einem anderen Mobilfunkanbieter in Deutschland an.