Mobilfunk E-Plus schluckt Billiganbieter Blau

Es ist das Ende einer Ära: Der letzte unabhängige Mobilfunkanbieter in Deutschland ist verkauft - der niederländische Konzern KPN hat sich Blau unter den Nagel gerissen. Die E-Plus-Mutter will die Marke aber erhalten.


Hamburg - Er war der letzte große Anbieter, der unabhängig war - doch das ist jetzt vorbei. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hat der niederländische Telekommunikationskonzern KPN Chart zeigen den Mobilfunkanbieter Blau für seine Tochter E-Plus übernommen.

Sim-Karte von E-Plus: Zum Konzern gehört jetzt auch Blau
DPA

Sim-Karte von E-Plus: Zum Konzern gehört jetzt auch Blau

Der kuwaitische Investor Ali al-Sabah und der Hamburger Risikofinanzierer Neuhaus Partners verkauften ihre Anteile rückwirkend zum Jahreswechsel. Blau verfügt über rund 600.000 Kunden. Nach Angaben der "FTD" zahlte KPN für den Discounter rund 80 bis 100 Millionen Euro. Blau machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa 42 Millionen Euro und erreichte damit erstmals die Gewinnschwelle.

Experten zeigten sich nicht überrascht von der Übernahme: Auf dem Markt überlebe nur, wer auf eine starke Marke zurückgreifen könne und somit "Drohpotential" gegenüber Netzbetreibern aufbauen könne, sagte Mobilfunkexperte Roman Friedrich der "FTD".

Der Mobilfunkmarkt in Deutschland ist stark umkämpft - auch im Billig-Segment. Handelsmarken wie Aldi-Talk und Tchibo-Mobil dominieren den Discountmarkt. Für unabhängige Anbieter ist da kein Platz. Blau war seit dem Start im Sommer 2005 ein Außenseiter. "Wir hatten wenig Geld, keine Marke und waren spät dran", sagte Martin Ostermayer, einer der Blau-Gründer, der "FTD". Der Discounter hatte in den vergangenen Jahren jedoch einen beispiellosen Preiskampf in Gang gesetzt. Seit dem Markteintritt von Blau sind die Preise um etwa 15 Prozent gesunken.

cvk/dpa



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