Mobilfunker Quam Harakiri im Weihnachtsgeschäft

Der Start des Mobilfunk-Neulings Quam gerät zur absurden Posse. Nur drei Wochen nach der Eröffnung der ersten Filialen verkündetet Quam-Chef Ernst Folgmann einen Lieferstopp. Die Konkurrenten hätten blockiert, sagt er. Doch einiges deutet darauf hin, dass Folgmann sich in erster Linie selbst blockiert.

Von und Michael Kröger


Quam-Werbeträger Sven Hannawald: Gigantische Werbekampagne für ein Produkt, dass der Hersteller selbst boykottiert
AP

Quam-Werbeträger Sven Hannawald: Gigantische Werbekampagne für ein Produkt, dass der Hersteller selbst boykottiert

Hamburg - Die Verkaufs-Filiale an der Spitaler Straße in bester Hamburger Innenstadtlage verrät viel über die Ambitionen von Quam. Um den Platzhirschen D2 Vodafone und T-Mobil das Feld streitig zu machen, hat der Neuling unter den Mobilfunkanbietern eine feine Adresse eingerichtet, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Feine Hölzer und Glas dominieren. Das coole, zurückgenommene Styling lässt nur eine Botschaft zu: "Wir sind der Mercedes unter den Mobilfunkern".

Allein die Kunden interessiert das wenig. Das 200-Quadratmeter-Areal ist wie ausgestorben. Ein Mitarbeiter vertreibt sich die Zeit an einem der vielen Flach-Bildschirme, zwei andere testen ein Nokia-Handy, das mit einem Palm-Organizer verbunden ist.

Doch die Ruhe täuscht. Die Nerven liegen blank in der Filiale an der Spitaler Straße. Natürlich könne man einen Vertrag abschließen, sagt einer Berater, was erstaunlich ist, hat doch die Geschäftsführung offiziell einen Verkaufsstopp verkündet. Auf die Frage, ob jetzt weniger Kunden ins Geschäft kämen, verweist Filialleiter Sven Böhm kurz angebunden auf die Pressestelle - aber es ist offensichtlich: leichter ist es nicht geworden, neue Kunden in den Laden zu locken.

Auch in der Quam-Zentrale in München gibt man sich offensiv. Das drastische Schritt sei ein Protest gegen die "Blockadehaltung" der Wettbewerber, sagte ein Quam-Sprecher am Dienstag in München. Aus den Netzen der Mobilfunkanbieter T-Mobil (D1) und D2 Vodafone gebe es nach wie vor nur über eine Servicenummer eine Verbindung ins Quam-Netz. "Man will uns ganz offensichtlich das Weihnachtsgeschäft verderben", so ein Sprecher.

Das besorgt man jetzt lieber selbst. Wie das Unternehmen per Pressemitteilung bekannt gab, habe man den "aktiven Verkauf" vorerst eingestellt. Quam-Sprecherin Susanne Westphal erklärt, was das bedeutet: "Wir weisen die Kunden ausdrücklich auf das Problem mit D1 und D2 hin". Wer einen Vertrag will, bekommt ihn jedoch nach wie vor.

Der Schritt von Quam ist eine ebenso symbolische wie hilflose Geste. Denn dem Unternehmen bleibt kaum etwas anderes übrig, als öffentlich zu schmollen. Einklagbare vertragliche Absprachen mit den Konkurrenten T-Mobil (D1) und D2 Vodafone existieren nicht. Man habe von der Konkurrenz, so Westphal, lediglich eine mündliche "Zusicherung" erhalten, dass die Netzanbindung rechtzeitig funktionieren werde - nur scheint man unterschiedliche Vorstellung über deren Inhalt gemacht zu haben.

  • 1. Teil: Harakiri im Weihnachtsgeschäft
  • 2. Teil


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