Mobilfunkkrise Siemens verbannt Handy-Sparte

Siemens hat im zweiten Quartal bei einem Umsatzplus den operativen Gewinn leicht gesteigert. Die Expertenschätzungen verfehlten die Münchner dennoch. Der Industrie- und Technologiekonzern hadert vor allem mit dem maladen Handy-Geschäft. Die Sparte wird nun ausgegliedert.


Handy-Produktion bei Siemens: Kommunikationsbereich bereitet Probleme

Handy-Produktion bei Siemens: Kommunikationsbereich bereitet Probleme

München/Lissabon - Der operative Gewinn sei von Januar bis März 2005 auf knapp 1,10 Milliarden nach 1,08 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum geklettert, teilte Siemens Chart zeigen mit. Analysten hatten mit 1,23 Milliarden Euro gerechnet. Unter dem Strich traf der Münchner Technologiekonzern hingegen mit einem Gewinn von 781 Millionen Euro in etwa die durchschnittliche Analystenprognose.

Vor einem Jahr hatten die Münchner durch einen Sonderertrag aus dem Verkauf von Infineon-Aktien noch einen Nettogewinn von 1,210 Milliarden Euro erzielt, bereinigt lag der Überschuss damals bei 807 Millionen Euro. Der Umsatz legte im Quartal um 4,3 Prozent auf 18,56 Milliarden Euro zu. Experten hatten den Wert auf 18,54 Milliarden Euro taxiert.

Handy-Sparte belastet

Die Handy-Sparte bleibt weiter der größte Krisenherd im Konzern. Der Bereich verbuchte im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 138 Millionen Euro. Damit fiel das Minus in etwa so hoch aus wie in den zwei Berichtszeiträumen zuvor. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld zieht nun erste Konsequenzen und gliedert die Sparte aus. Auf diesem Weg soll eine Kooperation mit einem externen Partner ermöglicht werden.

Es sei eher unwahrscheinlich, dass Siemens in einer Kooperation mit einem Partner die Mehrheit behalte, ergänzte Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger. Die Ausgliederung des Handygeschäfts in eine eigenständige Einheit wird nach seiner Einschätzung etwa drei Monate dauern. Es werde weiterhin Siemens-Handys geben, bekräftigte Konzernchef Kleinfeld.

Laut Branchenkreisen steht Siemens in intensiven Verhandlungen mit mehreren Kandidaten. Darunter soll auch der US-Konkurrent Motorola Chart zeigen sein. Damit ist ein Verkauf oder eine Schließung der Handysparte vorerst vom Tisch.

Kommunikationsbereich drückt Prognose

Die Umstrukturierung der gesamten Kommunikationssparte Com werde fortgesetzt, teilte Siemens weiter mit. Dadurch werde die insgesamt gute Entwicklung im Konzern beeinträchtigt. "Für das Gesamtjahr 2005 hatten wir uns - unter bestimmten Voraussetzungen - noch einmal einen leichten Ergebnisanstieg zugetraut. Das ist heute schwer einzuschätzen", sagte Kleinfeld.

Er sei zuversichtlich, dass die ertragsstarken Bereiche ihren Kurs fortsetzen könnten. Doch sorge die Restrukturierung im Kommunikationsbereich Com für Lasten, "die sich aus heutiger Sicht weder beziffern noch zeitlich bestimmen lassen".

An der Börse wurde die Quartalsbilanz verhalten aufgenommen. "Die Zahlen sind ziemlich schwach", sagte ein Börsianer in einer ersten Reaktion. "Zur Handy-Sparte gibt es auch nichts wirklich Neues. Da würde nur ein Verkauf richtig glücklich machen."

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