Modekonzern Insolvenzpläne treiben Escada-Aktie in die Tiefe

Der Modekonzern Escada steht kurz vor der Pleite, an eine schnelle Rettung glaubt keiner mehr. An der Börse setzt ein wahrer Ausverkauf ein - die Aktie ist nur noch wenige Cent wert.


München/Frankfurt am Main - Wenn einige noch an die Rettung in letzter Minute geglaubt hatten - spätestens seit Dienstagabend haben sie alle Illusionen verloren. Abzulesen war dies am Börsenkurs des Luxusmode-Herstellers Escada schon zum Handelsbeginn der Börse am Mittwoch. Bereits vorbörslich hatte ein regelrechter Ausverkauf eingesetzt. Bei hohen Umsätzen verloren die Papiere rund 50 Prozent und kosteten gegen 10.30 Uhr noch lediglich 75 Cent. Schon am Dienstag hatten sie ein Drittel an Wert verloren. Mitte 2007 hatten die Papiere noch mehr als 38 Euro gekostet.

Escada-Kleid: Nur 47 Prozent der Gläubiger stimmten Anleihetausch zu
ddp

Escada-Kleid: Nur 47 Prozent der Gläubiger stimmten Anleihetausch zu

"Auf eine Rettung von Escada in letzter Minute zu wetten, scheint keine brauchbare Option mehr zu sein", urteilte Equinet-Analyst Ingbert Faust. Der Münchner Konzern will noch diese Woche Insolvenz anmelden, nachdem sich die Gläubiger einer 200 Millionen Euro schweren Unternehmensanleihe nicht an der Entschuldung beteiligen. Ein Umtauschangebot des Unternehmens hatte nicht genug Zustimmung bekommen.

Insgesamt dienten nur 47 Prozent ihre Anleihe zum Tausch an - erforderlich wäre eine Quote von 80 Prozent gewesen. Damit droht Escada die unmittelbare Zahlungsunfähigkeit, denn ein erfolgreicher Anleihetausch war Grundbestandteil für das weitere Finanzierungskonzept des Konzerns: Eine Kapitalerhöhung scheitert damit ebenso wie die Verlängerung einer Kreditlinie von bis zu 13 Millionen Euro.

Für Mittwoch ist eine Aufsichtsratssitzung anberaumt, in welcher der Vorstand den Aufsichtsrat über das Scheitern der finanziellen Restrukturierung und die weiteren Schritte informieren wird. Der Vorstand plane, dem vom Gericht zu bestimmenden vorläufigen Insolvenzverwalter sein operatives Konzept zur Neuausrichtung des Escada-Konzerns und der Escada-Mode vorzustellen, das schon seit Mitte 2008 läuft.

Escada hatte das Gebot für die Anleihegläubiger mehrfach nachgebessert und bot zuletzt für eine Alt-Anleihe im Nennwert von 1000 Euro eine aus zwei Teilen bestehende neue Schuldverschreibung sowie eine zusätzliche Barauszahlung von zusammen 400 Euro. Hinzu kamen zehn Aktien der Escada aus dem Bestand wesentlicher Altaktionäre.

Diese Aktien stammten von den Gesellschaften von Rustam Aksenenko und Wolfgang Herz, von der Bestinver Gestión SA sowie den Organmitgliedern Bruno Sälzer, Werner Lackas und Claus Mingers. Insgesamt stellten die Altaktionäre bis zu zwei Millionen Escada-Aktien unentgeltlich zur Verfügung.

Der Luxusmode-Hersteller war in den vergangenen Monaten immer stärker in Schwierigkeiten geraten. Wann der Insolvenzantrag eingereicht wird, stehe noch nicht fest, sagte ein Firmensprecher. In Branchenkreisen wird für Donnerstag damit gerechnet.

mik/Reuters/dpa-AFX/Dow Jones



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Seite 1
entreotto 14.04.2009
1.
Zitat von sysopImmer mehr Firmen werden vom Konjunktureinbruch hart getroffen. Nach Märklin, Schiesser und Karmann hat nun auch Woolworth Insolvenz angemeldet. Droht Deutschland eine Pleitewelle?
echt ? Woolworth hat Insolvenz angemeldet ? Bin neulich in Dillingen an der Saar vor einem entgültig geschlossenen Woolworth - Filiale vorbeigelaufen. Also ich glaube, daß bei Woolworth zu viele Filialen schlecht laufen,liefen so eine Kette kann nur wenige schlechte Filialen mitziehen, die Margen sind im Einzelhandel zu gering.
kollateralschaden 14.04.2009
2.
Zitat von entreottoecht ? Woolworth hat Insolvenz angemeldet ? Bin neulich in Dillingen an der Saar vor einem entgültig geschlossenen Woolworth - Filiale vorbeigelaufen. Also ich glaube, daß bei Woolworth zu viele Filialen schlecht laufen,liefen so eine Kette kann nur wenige schlechte Filialen mitziehen, die Margen sind im Einzelhandel zu gering.
Hier in UK ist Woolworth schon letztes Jahr pleite gegangen.
Wattläufer 14.04.2009
3.
Zitat von sysopImmer mehr Firmen werden vom Konjunktureinbruch hart getroffen. Nach Märklin, Schiesser und Karmann hat nun auch Woolworth Insolvenz angemeldet. Droht Deutschland eine Pleitewelle?
Woolworth hatte kein Image. Der "für-jeden etwas" aber nicht kundenorientierte Kramladen passte nicht mehr in unsere Zeit. Der nächste den es treffen wird, wird K'stadt sein. Das Kundenverhalten hat sich geändert und wer da nicht mitmacht hat selber Schuld. Das hat nichts mit Konjunktureinbruch zu tun. Das war schon immer so. Karmann, Märklin haben am Markt vorbei produziert. Karmann war nur noch Dienstleister für Andere ohne eigenes Profil und Märklin hat nicht erkannt, daß die dt. Jugend vorwiegend aus Migranten besteht, die mit unserer (Industrie-)kultur bzw. dem Nachbau 1 : 84 nichts am Hut haben. Wattläufer
problematix 14.04.2009
4.
Zitat von sysopImmer mehr Firmen werden vom Konjunktureinbruch hart getroffen. Nach Märklin, Schiesser und Karmann hat nun auch Woolworth Insolvenz angemeldet. Droht Deutschland eine Pleitewelle?
Wie sieht es denn im Mittelstand und bei Kleinbetrieben aus?
rkinfo 14.04.2009
5.
Zitat von sysopImmer mehr Firmen werden vom Konjunktureinbruch hart getroffen. Nach Märklin, Schiesser und Karmann hat nun auch Woolworth Insolvenz angemeldet. Droht Deutschland eine Pleitewelle?
Dinge wie Konjunkturpaket und Abwrackprämie schützen ja bereits Firmen vor Pleite. Andererseits wird eine 'Opel-Pleite' von ca. 50% aller Deutschen erwartet. Und Opel fährt aktuell Sonderschichten. Nimmt man Opel Referenz, dann sind 2/3 aller Firmen bis Jahresende im Land pleite. Man kann nur hoffen, dass im Land das Problembewußtsein für das Risiko 'totales Ende unseres Landes' langsam mal wächst. Wir leben seit Oktober 2008 = Untergang des Weltfinanzsystems vom Hilfsstrukturen. Letztlich nicht anders wie 'Brot für die Welt' in Afrika - nur viel teurer. Aber irgendwann versiegen die Hilfsmöglichkeiten und die Firmen im Land gehen in die Pleite. Wobei unser Insolvenzrecht derart früh 'Insolvenzantrag' fordert, dass das Land täglich vor dem ultimativen Kollaps steht.
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