Modellbau Mini-Lkw für die Oberklasse

Von Jochen Schönmann

2. Teil: Vergoldete Planierraupe mit 0,8 PS


Daran erinnerte sich Brand. Die Geschäftsidee der Miniaturlaster war geboren. Brand war sich sicher: "Die Firmen müssten doch darauf abfahren, ihre eigenen Produkte als Modell zu haben." Er legte los. Auf der weltgrößten Nutzfahrzeugausstellung IAA in Hannover legte der Tüftler gemeinsam mit einem Freund einen Parcours an: Sie betonierten Straßen, bauten Brücken und setzten Landschaften hinzu.

Sie veranstalteten ein derartiges Präzisionsspektakel, dass Spediteure, Maschinenhersteller und Bauunternehmer ihren Augen nicht trauten, als sie sahen, was Brand da zusammenschraubte. Man schütte ihn mit Aufträgen zu. Die Aussicht, hochwertige Geschenke mit Werbung in eigener Sache zu verbinden, war für viele Unternehmenschefs offenbar sehr interessant.

Also mietete Brand ein altes, verwahrlostes Raiffeisengelände und baute sich eine Werkstatt in das alte Gebäude. Er zog Decken ein und legte Show-Room und Ausstellungsflächen für die Modelle an. Alles vom Feinsten. "Hier kommen eben Leute her, die etwas erwarten", sagt er entschuldigend.

Seither hat Brand seine Arbeit immer weiter verfeinert und perfektioniert. "Meine ersten Modelle haben mit dem, was wir jetzt machen, nicht mehr viel zu tun", behauptet der 46-Jährige. Brands Objekte sind unterdessen echte Geldanlagen: Eine Exklusiv-Edition von 75 originalgetreuen Baggern ging beispielsweise an den Modellbauer Graupner: 24 Karat vergoldet mit 0,8 PS Motorleistung. Die Hydraulik arbeitet mit 17 Bar. Öltank, Ventile, Elektronik – alles wie immer eigene Spezialanfertigung. Kosten pro Exemplar: 11.800 Euro.

Fahrzeugflotten graben Gärten um

Der Kundenschwerpunkt liegt derzeit noch bei den Nutzfahrzeugherstellern wie MAN, Meiller und anderen. Das Geschäft, berichtet Brand, verschiebt sich aber mehr und mehr in Richtung gut betuchter Privatleute, die sich ihre Träume verwirklichen. "Die ordern ganze Fahrzeugflotten. Mit denen stellen sie dann realistische Szenen in Miniatur nach, wie sie auf Großbaustellen tagtäglich stattfinden."

Ein schwerreicher Schweizer Unternehmer und Ferrari-Sammler besucht ScaleArt zwei bis drei Mal pro Jahr und gibt seine Bestellung ab. In einem Brief schriebt er: "Habe mit euren Modellen einen Riesenspaß. Wenn ich damit den Garten umgrabe, vergessen mein kleiner Sohn und ich alles andere!"

Doch Brand ist noch immer nicht am Ziel. Gerade überlegt er, massiv zu investieren. Neue Ausrüstung, neues Werkzeug, neue Software. Die Frage nach dem Grund erübrigt sich. "Wir wollen noch besser werden", verkündet der Perfektionist.



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