Möbelhersteller Schieder Ikea-Lieferant ist insolvent - Mitarbeiter beschuldigen Deutsche Bank

Mitarbeiter des Ikea-Möbelherstellers Schieder haben heute vor der Deutschen Bank in Frankfurt lautstark protestiert: Ihr Unternehmen ist insolvent - und das Geldinstitut verweigert die Übergangsfinanzierung, um die Pleite zu vermeiden. Dabei stehen europaweit 11.000 Jobs auf dem Spiel.


Frankfurt am Main/Schieder-Schwalenberg - Rund 400 Schieder-Mitarbeiter haben heute vor der Deutschen Bank in Frankfurt demonstriert. Mit Trillerpfeifen und Transparenten protestierten die Beschäftigten gegen das Kreditinstitut, das nach Angaben des Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Detmold, Reinhard Seiler, einer Übergangsfinanzierung von 70 Millionen Euro nicht zugestimmt hat. Im Falle der Deutschen Bank gehe es um eine Summe von sechs Millionen Euro. Ein Sprecher der Bank sagte dazu lediglich, die Bank habe bereits am Montag "einen Vorschlag im Interesse des Unternehmens gemacht".

Protest von Schieder-Mitarbeitern vor der Deutschen Bank: Unternehmen hat sich mit Auslandsexpansion übernommen
DPA

Protest von Schieder-Mitarbeitern vor der Deutschen Bank: Unternehmen hat sich mit Auslandsexpansion übernommen

Bei dem insolventen Möbelhersteller, der europaweit der größte ist und auch Ikea beliefert, stehen mehr als 11.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Gut 1000 davon in Deutschland.

Jahrelang war die Geschichte von Schieder eine Erfolgsstory. Als erstes deutsches Unternehmen produzierte der Möbelbauer in Italien und Polen. Erst im Dezember vergangenen Jahres eröffnete Schieder eine neue Polstermöbelfabrik im chinesischen Changzhou.

Offenbar hat sich der Konzern aber zuletzt bei seiner Expansion übernommen. Ein Schieder-Sprecher hatte schon im März erklärt, die gegenwärtige Finanzierungsstruktur sei zu teuer. Der frühere Geschäftsführer hatte 2005 eine Anleihe von 145 Millionen Euro auf dem internationalen Kapitalmarkt plaziert, zudem eine Pfandverschreibung von 95 Millionen Euro und Genussscheine, also weitere Anleihen, für 30 Millionen Euro.

Zur Schieflage beigetragen habe auch die Entwicklung in Polen, wo Schieder mit 8000 Beschäftigten inzwischen den Großteil seiner Möbel fertigt, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchenexperten. Denn dort habe sich das Lohnniveau enorm nach oben bewegt. Gleichzeitig habe der Konzern unter den steigenden Holzpreisen gelitten, die er wegen des harten Wettbewerbs kaum an den Handel weitergeben könne.

Im Dezember 2006 war der Geschäftsführer ausgeschieden und Firmengründer Rolf Demuth auf den Chefsessel zurückgekehrt. Er hatte sich schon oft als Trendsetter erwiesen. Im Geschäftsjahr 2006/07 peilte Schieder früheren Angaben zufolge ein Umsatzplus von 3,4 Prozent nach Erlösen von rund 950 Millionen Euro im Vorjahr an.

Vergangene Woche kam dann jedoch der vorübergehende Insolvenzantrag. Gestern setzte das Detmolder Insolvenzgericht daraufhin einen Sachverständigen ein. Nun führt der Möbelhersteller Gespräche mit Investoren über eine Übergangsfinanzierung. Insgesamt belaufen sich die Schulden des Unternehmens Insidern zufolge auf 300 Millionen Euro.

"Man ist immer noch sehr zuversichtlich, dass man es zu einem vernünftigen und positiven Abschluss bringen kann", sagte ein Unternehmenssprecher im lippischen Schieder-Schwalenberg. Nach Gewerkschaftsangaben soll bis zum Abend eine Entscheidung fallen.

ase/AP/Dow Jones



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