Möbelskandal Bestechung bei Ikea - Staatsanwalt erhebt Anklage

Es geht um 700.000 Euro: Diese Summe soll ein Ikea-Mitarbeiter als Schmiergeld angenommen haben. Dem Unternehmen entstand dadurch ein Millionenschaden. Nun hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage erhoben.


Frankfurt am Main - Es ist die erste Anklage in der Korruptionsaffäre um das schwedische Einrichtungshaus. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft einem 50 Jahre alten Ikea-Bauleiter Untreue in 48 Fällen zum Nachteil des Unternehmens vor. In 21 weiteren Fällen müsse sich der Mann zudem wegen Bestechlichkeit verantworten, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Michael Loer.

Ikea-Werbeturm: Überhöhte Rechnungen an das Möbelhaus
AP

Ikea-Werbeturm: Überhöhte Rechnungen an das Möbelhaus

Insgesamt soll der Beschuldigte von 2002 bis 2005 Geld- und Sachleistungen in Höhe von rund 700.000 Euro von zwei Auftragnehmern seines ehemaligen Arbeitgebers erhalten haben. Von einer Düsseldorfer Firma für Innenausbau soll er 100.000 Euro in bar erhalten haben. Zudem bezahlte ihm die Firma die Renovierung und Neuausstattung seines Hauses in Friedrichsdorf für weitere 514.000 Euro. Eine für Rohausbau zuständige Firma aus Hamburg zahlte dem 50-Jährigen 87.000 Euro in bar.

Im Gegenzug stellten die beiden Firmen mit Einverständnis des Beschuldigten überhöhte Rechnungen an Ikea. Allein beim Bau der Ikea-Filiale in Duisburg soll dem Unternehmen dadurch ein Schaden von 1,4 Millionen Euro entstanden sein.

Der frühere Bauleiter ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitgehend geständig und gilt als der Hauptbeschuldigte unter den neun verdächtigen ehemaligen Ikea-Mitarbeitern. Ein weiterer Bauleiter des Unternehmens hatte sich im September 2005 während der Untersuchungshaft in seiner Zelle erhängt. Nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft gibt es in dem weit verzweigten Korruptionsskandal insgesamt 64 Beschuldigte.

wal/ddp



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