Monokulturen Umweltschützer warnen vor Energie aus Biomasse

Bioenergie kann umweltschädlich sein. Das sagen nicht die großen Ölkonzerne, sondern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Hinter Bioenergien verbergen sich oft "Umweltzerstörung und Nahrungsmittelknappheit", warnen die Naturschützer.


Berlin - Als speicherfähiger Energieträger sei Biomasse zwar eine optimale Ergänzung zur Wind- und Sonnenenergie, erklärt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Aber nicht immer sei die Ökobilanz beim Einsatz nachwachsender Rohstoffe positiv. "Dann steht zwar Bio drauf, aber dahinter verbergen sich Umweltzerstörung und Nahrungsmittelknappheit", sagt der Agrarexperte des BUND, Hubert Weiger.

Rapsfeld bei Eckernförde: Anbau um 25 Prozent gestiegen
AP

Rapsfeld bei Eckernförde: Anbau um 25 Prozent gestiegen

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Landwirte auf ihren Äckern Energiepflanzen wie Raps und Mais angebaut. Zum Teil wird diese Biomasse zu Biogas umgewandelt, das zur Stromerzeugung verwendet wird. Ein anderer Teil wird zu Biotreibstoffen für Autos verarbeitet. In Mexiko gab es zuletzt heftige Proteste wegen der gestiegenen Maispreise. Grund war die verstärkte Nachfrage nach Biokraftstoffen in den USA.

Die Ausweitung des Biomasseanbaus bringt laut BUND eine problematische Intensivierung der Landwirtschaft mit sich. In Deutschland sei der Anbau von Raps und Mais in Monokulturen zwischen 2005 und 2006 um rund 25 Prozent pro Jahr gestiegen. Ähnliche Zuwächse würden 2007 erwartet.

Nach Angaben des BUND lässt sich Biomasse nur im Ökoanbau umweltfreundlich erzeugen. Die Organisation schlug vor, über einen Bonus im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Ökoanbau von Energiepflanzen zu fördern. Außerdem sollten bisher ungenutzte Reststoffe aus Wäldern und aus der Lebensmittelindustrie sowie Gülle und Bioabfall verstärkt verwendet werden. Hierfür könne das EEG ebenfalls Anreize bieten. Die Nutzung von ohnehin anfallenden Reststoffen müsse Priorität haben vor dem Anbau von Energiepflanzen. Den Import von Biomasse lehnt der BUND ab, wenn keine akzeptablen Kriterien über umweltfreundliche Anbaumethoden existieren.

Insgesamt wird das Potential von Energiepflanzen nach Meinung des BUND oft überschätzt. Die Umweltorganisation warnt daher vor überhöhten Erwartungen. "Die wertvolle Biomasse darf nicht in ineffizienten Motoren und Kraftwerken verheizt werden. Vorzuziehen ist ihr Einsatz in effizienten Kraft-Wärme-gekoppelten Anlagen zur Erzeugung von Strom und Wärme", heißt es in der Erklärung des BUND.

wal/AFP/dpa/ddp



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