Giftige Agrochemikalie Brasilien lässt umstrittenen Bayer-Unkrautvernichter Dicamba zu

In den USA gilt das Mittel Dicamba als hochgefährlich. Die zuständigen Behörden in Brasilien haben den Unkrautvernichter der Bayer-Tochter Monsanto jetzt aber zugelassen.
Sprühen gegen das Unkraut: Viele Pestizide gelten als Insektenkiller

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Foto: Daniel Bockwoldt/ picture alliance / dpa

Brasiliens Landwirtschaftsministerium hat sechs Agrochemikalien zugelassen, die den Unkrautvernichter Dicamba nutzen. Es handelt sich dabei um Erzeugnisse der Bayer-Tochter Monsanto und mehrerer kleinerer brasilianischer Unternehmen. Das geht aus dem Amtsblatt des Staates hervor. Darin werden die Agrochemikalien zugleich als "sehr gefährlich für die Umwelt" eingeordnet. 

Der Einsatz von Dicamba ist umstritten. Das Mittel wird auf gentechnisch veränderte Sojabohnen und Baumwolle gesprüht. Falls es jedoch auf nahe gelegene Getreidefelder geweht wird, die nicht resistent sind, kann es zu Schäden an den Pflanzen kommen. Ein US-Gericht hatte im Juni Verkauf und Verwendung des Unkrautvernichters mit der Begründung untersagt, die Risiken im Zusammenhang mit Dicamba würden unterschätzt. Danach entschied die US-Umweltbehörde EPA, US-Landwirte dürften ihre Bestände des Herbizids noch bis zum 31. Juli aufbrauchen.

Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist Dicamba auch in Deutschland zugelassen. Der Wirkstoff ist als Bestandteil in einigen Rasendüngern enthalten.

Der Monsanto-Mutterkonzern Bayer hatte zu Beginn der Woche im Streit um das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat einen Rückschlag erlitten. Vince Chhabria, ein Bundesrichter in Kalifornien, in einem Gerichtsdokument erklärt, er sei "skeptisch" hinsichtlich der "Angemessenheit und Fairness" des vor zwei Wochen erzielten Vergleichs. Er neige deshalb derzeit dazu, die Einigung vorerst nicht zu genehmigen.

Die Bedenken Chhabrias richten sich gegen jenen Teil des Vergleichs, der die Einsetzung eines Wissenschaftlergremiums vorsieht, das klären soll, ob das Mittel, das Monsanto unter dem Markennamen "Roundup" vertreibt, Krebs verursachen kann. Er stellte die Frage, warum mögliche künftige Kläger darauf verzichten sollten, dass ein Geschworenengremium bei Gericht über den möglichen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von "Roundup" und einer Krebserkrankung entscheidet.

mik/rtr
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