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18. November 2013, 12:54 Uhr

Reaktion auf Amnesty-Bericht

Katar gelobt Besserung im Umgang mit Arbeitern

Das Emirat Katar, umstrittener Gastgeber der Fußball-WM 2022, reagiert auf die Vorwürfe zu Menschenrechtsverletzungen. Laut offizieller Nachrichtenagentur wird derzeit an neuen Gesetzen gearbeitet, um Zwangsarbeit und Ausbeutung zu beenden. Konkrete Maßnahmen stehen aber noch aus.

Doha - Zwangsarbeit, systematische Ausbeutung, armselige Unterkünfte - die Zustände, die Amnesty International in einer Untersuchung der Arbeitsbedingungen im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 fand, waren erschreckend. Die Menschenrechtsorganisation forderte umfassende Reformen, und der umstrittene Gastgeber der Fußball-WM 2022 hat reagiert. Katar will nun offenbar Maßnahmen zur Verbesserung der Situation ausländischer Arbeiter einleiten. Die offizielle Nachrichtenagentur QNA berichtete unter Berufung auf Außenministeriumskreise, dem Emirat sei der Schutz von Menschenrechten wichtig. Man arbeite daher daran, diesen durch neue Gesetze und zuständige Institutionen weiter zu verbessern.

Das Ministerium fügte hinzu, dass im Oktober internationale Rechtsanwälte von den Behörden des Landes beauftragt worden seien, einen unabhängigen Bericht über die Situation zu verfassen. Die Untersuchungen sollten auch Vorwürfe einschließen, die im aktuellen Bericht von Amnesty International enthalten seien. Die Menschenrechtsorganisation hat in Katar ein "alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit" festgestellt.

In einer am Sonntag vorgestellten Untersuchung prangerte Amnesty an, dass die Rechte von Arbeitsmigranten in dem Golfstaat "systematisch" verletzt würden. Die Organisation forderte die Regierung in Katar ebenso wie den Fußball-Weltverband Fifa auf, "weitere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern und zu zeigen, dass sie es mit den Menschenrechten ernst meinen".

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International forderte veränderte Kriterien bei der Vergabe von Großereignissen. "Menschenrechtsfragen und Anti-Korruption müssen bei den Vergabekriterien von sportlichen Großereignissen eine Rolle spielen", sagte Sylvia Schenk, Sportbeauftragte von Transparency International, der Nachrichtenagentur dpa.

Sylvia Schenk machte sich für einen Mindeststandard bei Menschenrechtsfragen stark, der vor der Entscheidung über den Ausrichter von Großereignissen auch überprüft werden müsse. Amnesty International hatte in seinem Bericht katastrophale Wohn- und Arbeitsbedingungen, indiskutable Hygienebedingungen, nicht bezahlte Gehälter und Perspektivlosigkeit öffentlich angeprangert.

nck/dpa

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