Nach Festnahme Chodorkowskis Panikverkäufe an Russlands Märkten

Russlands Wirtschaft unter Schock: Nach der Festnahme des Chefs des größten russischen Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, verkaufen die Anleger panikartig ihre Unternehmensanteile. Der Yukos-Kurs stürzt ab, eine Moskauer Börse setzte den Handel sogar aus. Präsident Wladimir Putin warnt vor Hysterie.


Händler an der Moskauer Börse: Panik an den Märkten
DPA

Händler an der Moskauer Börse: Panik an den Märkten

Moskau - Experten warnen vor einer Kapitalflucht ins Ausland, sollte Yukos im Zuge der Ermittlungen vorübergehend wieder unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Der Micex-Index, der vom Umsatz her zweitrangige der beiden russischen Aktien-Indizes, fiel zu Handelsbeginn um 12,6 Prozent, woraufhin der Handel vorübergehend ausgesetzt wurde. Yukos-Titel brachen sogar um rund 19 Prozent ein. Auch der Kurs der Landeswährung Rubel gab deutlich um einen halben Prozentpunkt nach. Das wichtigste russische Börsenbarometer, der RTS-Index, verlor bis zum Mittag 9,3 Prozent.

"Nachdem die Behörden Chodorkowski ins Gefängnis gesteckt haben, gehen die Menschen davon aus, dass der Abfluss an privatem Kapital den Zufluss deutlich übertreffen wird und das hat etwas Panik am Markt ausgelöst", sagte Artem Roschtschin von Aljba Alliance Bank. Chodorkowski war am Samstag wegen des Verdachts des Betrugs und der Steuerhinterziehung von den russischen Behörden in einer überfallartigen Aktion in seinem Privatflugzeug bei einem Zwischenstopp in Sibirien festgenommen worden.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat unterdessen am Montag davor gewarnt, in Hysterie zu verfallen. Vor dem russischen Parlament lehnte es Putin am Montag nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax ab, den Fall Chodorkowski mit einflussreichen Unternehmensvertretern zu besprechen. "Es wird solange kein Treffen und kein Verhandeln über die Aktivitäten der Strafverfolgungsbehörden geben, wie die Behörden im Rahmen des russischen Rechts handeln", sagte Putin in seiner ersten öffentliche Stellungnahme nach der Festnahme am Samstag.

Michail Chodorkowski: Im Privatflugzeug festgenommen
AP

Michail Chodorkowski: Im Privatflugzeug festgenommen

Die Inhaftierung des reichsten Mannes Russlands markiert Beobachtern zufolge den vorläufigen Höhepunkt im Machtkampf des 40-Jährigen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Als Fürsprecher der liberalen Opposition gilt Chodorkowski bei vielen als potenzieller Kandidat für das Präsidentenamt im Jahr 2008 - und damit als Gegner des amtierenden Präsidenten Wladimir Putin.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.