Nach Kundenbeschwerden Hohe Strompreise - Kartellamt mahnt RWE ab

Das Bundeskartellamt geht gegen RWE vor: Weil der Stromkonzern seine Marktmacht zum Nachteil von Industriekunden ausgenutzt haben soll, wurde er nun abgemahnt. Auch Wettbewerber E.on muss mit einer Abmahnung rechnen.


Bonn - Das Kartellamt beanstandete, dass RWE Chart zeigen kostenlos zugeteilte C02-Zertifikate gegenüber seinen Industriekunden als Kosten geltend gemacht habe. Das habe den Strompreis in unzulässiger Weise nach oben getrieben. Nach Ansicht des Kartellamtes können C02-Zertifikate maximal zu 25 Prozent auf Kunden überwälzt werden.

Strommasten: RWE und Eon im Visier der Wettbewerbshüter
AP

Strommasten: RWE und Eon im Visier der Wettbewerbshüter

In gleicher Sache läuft beim Kartellamt auch ein Verfahren gegen den Stromkonzern Eon Chart zeigen. Der Versorger muss nun mit einer ähnlichen Entscheidung des Amtes rechnen. Damit forcieren die Wettbewerbshüter ihr Vorgehen gegen die großen Stromkonzerne in Deutschland, die angesichts hoher Strompreise steigende Gewinne verbuchen.

Eine RWE-Sprecherin bestätigte den Eingang eines Schreibens vom Kartellamt. Der Konzern warf dem Bundeskartellamt vor, mit seiner Abmahnung die Grundlagen der Preisbildung auf dem Strommarkt zu ignorieren. Es sei nicht nachvollziehbar, dass in Europa einheitliche Marktmechanismen einen Verstoß gegen deutsches Kartellrecht bedeuten sollen. Auf allen europäischen Strommärkten werde der Zertifikatspreis im Strompreis berücksichtigt.

An der Frankfurter Börse drehten RWE-Aktien ins Minus. Sie büßten zuletzt 0,13 Prozent ein und fielen auf 87,80 Euro.

Gegen die Preispolitik von RWE und Eon Chart zeigenwaren insgesamt fünf Industrieverbände und ein Stromhändler vorgegangen. Vertreter der stromintensiven Industrie hatten Beschwerde gegen Versorger beim Bundeskartellamt eingereicht. So wirft etwa der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) den Energieriesen vor, mit der Einpreisung kostenlos zugeteilter Verschmutzungsrechte ihre Marktmacht zu missbrauchen und die Strompreise künstlich in die Höhe zu treiben.

itz/tim/ddp/AFP/Reuters/AP/dpa-AFX



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