Nach Lockerbie-Attentat Gaddafi erpresste Manager von Energiekonzernen

So skrupellos ist Muammar al-Gaddafi: Laut "New York Times" hat der libysche Despot 2009 mehrere Energiekonzerne aufgefordert, die Milliardenkosten für die Hinterbliebenen des Lockerbie-Attentats zu übernehmen - sonst werde dies für die Unternehmen "ernste Konsequenzen" haben.

Libyens Machthaber Gaddafi: System von Korruption, Bestechung und Gewalt
REUTERS

Libyens Machthaber Gaddafi: System von Korruption, Bestechung und Gewalt


Washington - Der Alleinherrscher gab sich offenbar keine Mühe, seine Erpressung zu tarnen: Getreue von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi forderten 2009 von Managern internationaler Energiekonzerne Geld. Insgesamt ging es um 1,5 Milliarden Dollar, berichtet die "New York Times". Das Geld sei bestimmt gewesen für Hinterbliebene des Lockerbie-Attentats und andere Terroranschläge, in die Libyen verstrickt war.

Die Zeitung beruft sich auf einen Bericht des US-Außenministeriums. Demnach sei den Managern gedroht worden, sie hätten mit "ernsten Konsequenzen" zu rechnen, falls sie sich weigern würden, die Zahlungen zu leisten. Mehrere Konzerne zahlten laut "New York Times" dennoch nicht: Sie hätten die Übernahme von Schadensersatz-Zahlungen nach Terroranschlägen als undenkbar bezeichnet.

Andere Firmen hatten aber offenbar nicht solche Skrupel. Sie hätten Geld bezahlt, berichtet die Zeitung und gibt als Quelle namentlich nicht genannte Manager und Offizielle der US-Regierung an.

Der Lockerbie-Attentäter Abd al-Bassit Ali al-Mikrahi war 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bei dem Anschlag auf eine Maschine der US-Fluglinie Pan Am über dem schottischen Ort Lockerbie im Dezember 1988 waren 270 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen waren US-Bürger.

Laut Libyens Ex-Justizminister hat der Attentäter Gaddafi erpresst: Er habe Rache für den Fall angekündigt, dass er nicht nach Hause kommen könne. Mikrahi habe gedroht, zu enthüllen, dass Gaddafi den Anschlag in Auftrag gegeben hat.

"Libyen ist eine Kleptokratie"

Laut der "New York Times" zeigt die Erpressung das System von Korruption, Bestechung und Gewalt, das Gaddafi in seinem Land etabliert hat. Seit die USA 2004 den Handel mit Libyen wieder aufgenommen hatten, hätten die beteiligten Konzerne immer wieder gemeldet, wie Gaddafi Millionen Dollar aus den Geschäften für sich abzwackte. "Libyen ist eine Kleptokratie", zitiert die Zeitung aus dem Bericht des Außenministeriums. Gaddafi, seine Familie und seine Getreuen würden sich von allem, was in Libyen etwas wert sei, einen Anteil sichern.

Seine Kriegskasse im Kampf gegen Rebellen und westliche Allianz dürfte nach allem, was man weiß, gut gefüllt sein: Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind in der libyschen Zentralbank mindestens 143,8 Tonnen Gold gelagert. Das würde etwa 6,5 Milliarden Dollar entsprechen. Laut IWF ist Gaddafis Goldvermögen damit unter den Top 25 der Welt. Schätzungen zufolge könnten die Reserven sogar noch größer sein.

Der Despot Gaddafi hat direkten Zugriff auf die Zentralbank. Demnach kann er problemlos über Monate einen Krieg gegen die Rebellen im eigenen Land und gegen den Westen finanzieren.

cte

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Seite 1
Silver_Future 24.03.2011
1. erträglich
Zitat von sysopSo skrupellos ist Muammar al-Gaddafi: Laut "New York Times" hat der libysche Despot 2009 mehrere Energiekonzerne aufgefordert, die Milliardenkosten für die Hinterbliebenen des Lockerbie-Attentats zu übernehmen - sonst werde*dies "ernste Konsequenzen" haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,752971,00.html
Könnte sich nicht irgendwie ein Marschflugkörper Richtung Präsidentenpalast verirren? Hinnehmbarer Kollateralschaden...
frubi 24.03.2011
2. .
Zitat von Silver_FutureKönnte sich nicht irgendwie ein Marschflugkörper Richtung Präsidentenpalast verirren? Hinnehmbarer Kollateralschaden...
Dieser würde aber mit locker 30 Jahren Verspätung einschlagen. Ich werfe den Medien in Sachen Nordafrika/Diktatoren massives Versagen vor. Im einzelnen gibt es bestimmt Journalisten, die sich jahrelang darum bemüht haben, Misstände aufzudecken aber in der Breite haben die Medien versagt und jetzt auf einmal ist Gaddafi der große Übeltäter. Ich finde es einfach erschreckend, wie sich die Medien parralel zu der Einstellung der Bundesregierung gegenüber diesen Despoten verhält. Das wirkt ein bisschen wie abgesprochen.
atomkraftwerk, 24.03.2011
3. .
Zitat von Silver_FutureKönnte sich nicht irgendwie ein Marschflugkörper Richtung Präsidentenpalast verirren? Hinnehmbarer Kollateralschaden...
Nein, ein Marschflugkörper verirrt sich nicht, er ist GPS navigiert und orientiert sich zum Teil auch am Gelände.
amarildo 24.03.2011
4. Frage
Zitat von Silver_FutureKönnte sich nicht irgendwie ein Marschflugkörper Richtung Präsidentenpalast verirren? Hinnehmbarer Kollateralschaden...
Was ist ein Marschflugkoerper? Eine Rakete?? Als ex -Deutscher komme ich mit vielen DE Woerter nicht mehr zurecht.
Michael Giertz, 24.03.2011
5. Auweia
Zitat von sysopSo skrupellos ist Muammar al-Gaddafi: Laut "New York Times" hat der libysche Despot 2009 mehrere Energiekonzerne aufgefordert, die Milliardenkosten für die Hinterbliebenen des Lockerbie-Attentats zu übernehmen - sonst werde*dies "ernste Konsequenzen" haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,752971,00.html
Lustig, wie schnell man Schlamm ausgraben kann, wenn derjenige, den es betrifft, vom "Freund" zum "Feind" gemacht wurde. Wie lange war Gaddafi nochmal "Verbündeter im Kampf gegen den Terror"? Und seit wann ist er es nicht mehr? Ja, genau, er ist nur ein paar Jahre Verbündeter gewesen, weil er seine Haut hat retten wollen. Man nahm seine "Hilfe" dankend an. Jetzt ist diese "Hilfe" nur noch peinlich, weil Gaddafi sein eigenes Volk terrorisiert statt wie seine "Amtskollegen" zurückzutreten nach den Demonstrationen. Nichtmal Mubarak hat sein Volk zusammenschießen lassen, und es sah bisweilen fast danach aus. Auweia. Peinlich. Ich schäme mich für den Eiertanz unserer Regierung.
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