Nach Tarifeinigung Bei der Bahn kehrt Normalität ein

Das Verkehrschaos blieb aus: Nach dem kurzfristig abgesagt Streik der Lokführer fuhren die Züge zwar noch nicht nach dem normalen Fahrplan, die Behinderungen fielen aber weniger gravierend aus als befürchtet. Mit der Einigung im Tarifstreit kehrt nun Ruhe bei der Bahn ein.


Berlin - Pläne mussten geändert, ganze Züge durch die Republik gekarrt werden - trotz der Streikabsage der Lokführergewerkschaft GDL gelang es der Bahn heute nicht, den Bahnverkehr ohne Behinderungen oder Verspätungen abzuwickeln. Am stärksten waren Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen betroffen, wie die Bahn mitteilte. Die Züge fuhren nach einem Notfahplan, den der Konzern vorsorglich erstellt hatte. Eigenen Angaben zufolge konnte sie ihn trotz der gestrigen Einigung im Tarifkonflikt kurzfristig nicht wieder rückgängig machen.

ICE: Keine Kooperationsvereinbarung zwischen den Gewerkschaften
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ICE: Keine Kooperationsvereinbarung zwischen den Gewerkschaften

Das befürchtete Verkehrschaos sei jedoch ausgeblieben. Spätestens ab morgen trete der normale Fahrplan wieder in Kraft.

Nachdem der Lokführer- und Grundlagentarifvertrag gestern Abend unterschrieben worden war, war der Totalstreik im Nah-, Fern- und Güterverkehr abgesagt worden. Damit fand der fast einjährige Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL ein Ende.

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale sagte, der Konzern habe zwischen den Gewerkschaften keine Kooperationsvereinbarung mehr als Voraussetzung für einen Tarifvertrag mit der GDL verlangt. Allerdings hätten sich die drei Gewerkschaften schriftlich zur Zusammenarbeit verpflichtet.

Die Kooperationsvereinbarung sollte die Zusammenarbeit der drei Bahngewerkschaften GDL, Transnet und GDBA langfristig regeln - und die Eigenständigkeit der GDL, das wichtigste Ziel der gesamten Tarifauseinandersetzung, beschneiden. Strittig war zudem lange, ob die GDL neben den Lokführern auch für andere Berufsgruppen zuständig sein soll. Jetzt sei geklärt, dass die Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA weiterhin für die Lokrangierführer und Disponenten zuständig ist, sagte Suckale.

Der Vertrag biete für die GDL die Möglichkeit, Tarifforderungen für Lokomotivführer zu erheben und auch durchzusetzen, die beispielsweise bei der DB Zeitarbeit oder auch bei ausgegliederten Tochtergesellschaften der Bahn eingesetzt werden. Damit ist laut Suckale eine Einigung für die Abgrenzung gefunden worden. Suckale zufolge hat sich die GDL bereiterklärt, bis 2014 nicht auf andere Berufsgruppen zuzugehen. Die Gewerkschaften würden die jeweiligen Tarifverträge gegenseitig anerkennen.

GDL-Chef Manfred Schell kündigte an, es werde Vertragstreue herrschen. Man könne sich bei der nächsten Verhandlungsrunde gegebenenfalls mit den anderen Gewerkschaften unterhalten, sagte er im Deutschlandfunk. Ob man jedoch mit einer gemeinsamen Forderung in die Lohnrunde gehe und diese dann auch gemeinsam akzeptiere, das sei "abzuwarten". Die GDL habe das erreicht, was sie wollte und könne damit gut leben. Der Tarifvertrag sei eine "gute Grundlage für die Zukunft".

Laut GDL tritt der Grundlagentarifvertrag und der Lokomotivführertarifvertrag für die rund 20.000 Lokführer rückwirkend zum 1. März in Kraft. Dieser sieht eine Einmalzahlung von 800 Euro und eine zweistufige Tariferhöhung um insgesamt elf Prozent vor. Zudem soll die Wochenarbeitszeit ab Februar 2009 bei vollem Lohnausgleich um eine Stunde auf 40 Stunden sinken.

Bislang ist unklar, wie die Deutsche Bahn die Kosten des ausgehandelten Tarifvertrages auffangen will. Bahn-Vorstand Suckale schloss Fahrpreiserhöhungen und Stellenabbau direkt nicht aus.

sil/dpa/Reuters



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