Nachfolge im Siemens-Aufsichtsrat Ersatzmann für Pierer steht bereit

Seit der Siemens-Schmiergeldaffäre steht Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer in der Kritik - immerhin war er zur der Zeit, als das Geld floss, Konzernchef. Nach Informationen des manager magazins steht jetzt ein Nachfolger bereit. Doch Siemens will von einer Ablösung Pierers nichts wissen.


München - Der Siemens-Personalvorstand Jürgen Radomski soll offenbar Nachfolger von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer werden. Nach Informationen des manager magazins haben sich einflussreiche Aufsichtsräte und Berater des Konzerns auf den 64-Jährigen verständigt. Falls Pierer so lange durchhalte, werde Radomski die Leitung des Kontrollgremiums Anfang des Jahres 2008 übernehmen, wenn die Neuwahl turnusgemäß anstehe. Der Vorstandsvertrag von Radomski laufe passenderweise zum Ende des Jahres 2007 aus, berichtet das manager magazin.

Aufsichtsratschef Pierer: Ablösung durch Personalvorstand Radomski?
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Aufsichtsratschef Pierer: Ablösung durch Personalvorstand Radomski?

Siemens Chart zeigen dementiert eine Ablösung Pierers durch Radomski. "Das entbehrt jeder Grundlage und ist Unsinn", sagte ein Konzernsprecher. In der Vergangenheit hatte Siemens Stellungnahmen zu Aufsichtsratsthemen üblicherweise abgelehnt und darauf verwiesen, dass diese Angelegenheiten des Aufsichtsrates seien.

Pierer war in den vergangenen Monaten immer stärker unter Druck geraten, da die im November 2006 bekannt gewordenen Schmiergeldskandale bei Siemens vorwiegend in seine Amtszeit als Konzernchef fallen. Nach Informationen des SPIEGEL hatte es bereits vor zwei Wochen aus der Siemens-Führung Druck auf Pierer gegeben, den Aufsichtsratsposten zu räumen.

Als Konsequenz aus der Affäre will der Konzern seine weit verzweigten Zahlungsströme künftig bündeln. Wie aus einem Schreiben von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld und Finanzvorstand Joe Kaeser an die Führungskräfte des Konzerns hervorgeht, müssen künftig "alle lokalen Zahlungen aller Siemens-Einheiten" über das zentrale Buchungssystem des Unternehmens laufen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD).

Siemens unterhält eigenen Angaben zufolge mehr als 5000 Konten mit zeitweise bis zu 50 Millionen Transaktionen pro Tag. Bislang seien vor allem solche Zahlungen an der Zentrale in München vorbeigegangen, die Siemens-Gesellschaften im Ausland an Empfänger vor Ort leisten würden.

Bereits wenige Wochen nach Bekanntwerden des Skandals hatte Kaeser den Zahlungsverkehr als eines der Hauptprobleme identifiziert und zur Chefsache erklärt. "Die Anzahl von Bankkonten ist auf ein Minimum zu reduzieren", heißt es der "FTD" zufolge in einem Ende vergangener Woche verschickten Rundschreiben.

kaz/ddp/AP



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