Nachfolger für Wolfowitz Robert Zoellick wird neuer Weltbank-Chef

Die Bestätigung war nur noch eine Formsache: Nach dem Rücktritt von Paul Wolfowitz ist der frühere US-Vizeaußenminister Robert Zoellick zum neuen Weltbank- Präsidenten gewählt worden.


Washington - Der Exekutivrat der internationalen Entwicklungshilfeorganisation bestätigte den 53-Jährigen heute, wie ein Sprecher der Weltbank in Washington mitteilte. Zoellick war der einzige Kandidat. Der Diplomat und frühere US-Handelsbeauftragte war Ende Mai von US-Präsident George W. Bush für das Amt nominiert worden, das traditionell an einen Amerikaner vergeben wird.

Designierter Weltbankchef Zoellick: Perfektionistisch aber pragmatisch
AFP

Designierter Weltbankchef Zoellick: Perfektionistisch aber pragmatisch

Zoellicks Erfahrung und seine lange Karriere als Handels- und Finanzexperte sowie als Diplomat seien gute Voraussetzungen für den Posten als Nachfolger des bisherigen Weltbankchefs Paul Wolfowitz, sagte Bush damals.

Zoellick hatte in der Regierung von Präsident Bush verschiedene Ämter inne. In den ersten vier Jahren brachte er als
Handelsbeauftragter die Verhandlungen mit China und Taiwan über deren Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO zum Abschluss. Er spielte auch eine maßgebliche Rolle beim Start der Doha-Handelsrunde der WTO. Zoellick folgte dann zu Beginn von Bushs zweiter Amtzeit der früheren Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice ins Außenministerium. Auch dort kümmerte sich Zoellick schwerpunktmäßig um die Beziehungen zu China. Ferner widmete er sich der Beilegung der Krise in der sudanesischen Provinz Darfur.

Der passionierte Marathonläufer wurde in Deutschland bereits durch seine Rolle in den Verhandlungen über die deutsche Einheit bekannt. Aus dieser Zeit rühren auch seine engen persönlichen Bande zur heutigen Außenministerin Rice. Vor einem Jahr war Zoellick aus dem Außenministerium ausgeschieden und zur Investmentbank Goldman Sachs gewechselt.

Zoellick gilt als loyaler Republikaner, nicht aber als Hardliner. Er wird als perfektionistisch, aber pragmatisch beschrieben - und von Hardlinern deshalb gern als "Internationalist" verspottet.

Zoellicks Vorgänger Paul Wolfowitz hatte Mitte Mai seinen Rücktritt zum 30. Juni erklärt. Er zog damit die Konsequenzen aus der wachsenden Kritik an einer Gehaltserhöhung für seine Freundin, die nach seinem Amtsantritt von der Weltbank zum US-Außenministerium versetzt wurde. Der frühere US-Vizeverteidigungsminister hatte sich erst nach langem Zögern internationalen Rücktrittsforderungen gebeugt.

Nach dem Rücktritt von Wolfowitz hatte es wilde Spekulationen um seinen Nachfolger gegeben. Mehr als zehn Namen waren im Gespräch. Genannt wurde dabei auch Englands scheidender Premierminister Tony Blair.

mik/dpa/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.