Nachfragemangel Russlands Ölproduktion schrumpft

Die weltweite Konjunkturflaute trifft die russische Ölindustrie: Nach einer langen Boomphase ist die Produktion zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt zurückgegangen. Fällt der Preis weiter, droht Russland eine schwere Krise.


Moskau/London/New York - Russlands Ölindustrie kämpft mit den Folgen der globalen Wirtschaftskrise. 2008 sei die Förderung des weltweit zweitgrößten Ölexporteurs um 0,9 Prozent auf durchschnittlich 9,78 Millionen Fass am Tag geschrumpft, teilte das Energieministerium am Freitag mit. Es war der erste Rückgang seit zehn Jahren.

Ölförderung in Russland: Wirtschaftskrise drückt Nachfrage
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Ölförderung in Russland: Wirtschaftskrise drückt Nachfrage

Viele Experten gehen davon aus, dass die Fördermenge in den nächsten Jahren kaum wieder gesteigert werden kann. Die Gründe dafür sind unter anderem die gesunkenen Ölpreise und hohe Steuerabgaben, die Produzenten wie Transneft die Modernisierung ihrer Anlagen und Erschließung neuer Ölfelder im Osten Sibiriens erschweren.

Unter dem Verfall des Ölpreises leidet zunehmend auch die gesamte russische Wirtschaft. Die Weltbank erklärte Mitte Dezember, das rohstoffreiche Land benötige möglicherweise Finanzspritzen aus dem Ausland, falls der Preis unter die Marke von 30 Dollar pro Fass sinke.

Tatsächlich sind die Ölpreise von dieser Marke noch weit entfernt. Allerdings verbilligte sich Öl zum Jahresbeginn erneut. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Februar kostete 41,73 Dollar und damit 2,87 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Mittwoch, dem letzten Handelstag 2008. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Februar sank über den Jahreswechsel um 3,31 Dollar auf 42,28 Dollar.

Die Verluste seien vor allem eine Reaktion auf die Kursrallye am letzten Handelstag im vergangenen Jahr, sagten Händler. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ölpreise noch kräftig mehr als acht Dollar zugelegt. Marktbeobachter begründeten dies mit überraschend schwachen Öllagerdaten aus den USA. Zwar hatten die Lagerbestände an Rohöl, Benzin und Destillaten (Heizöl, Diesel) zugelegt, allerdings schwächer als erwartet. Diese geringere Raffinerie-Aktivität wurde aber durch eine ebenfalls schwache Nachfrage teils ausgeglichen.

Die Ölpreise dürften auch künftig eher unter Druck bleiben, sagten Händler. Der in den USA am Nachmittag zur Veröffentlichung anstehende Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe dürfte einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsaktivität und damit auch der Ölnachfrage signalisieren. In der Euro-Zone ist der Einkaufsmanagerindex, der als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung gilt und unter anderem Auftragslage und Zahl der Beschäftigen in Unternehmen misst, im Dezember auf ein neues Rekordtief gefallen.

Lediglich der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) legte zu. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells am Mittwoch 35,58 Dollar und damit 63 Cent mehr als am Dienstag. Die Opec berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten der Mitgliedsländer.

Gasstreit mit der Ukraine schwelt weiter

Russland ist zudem in einen Streit um Gaslieferungen an die Ukraine verwickelt. Der Gasmonopolist Gasprom hatte am Donnerstag im Streit um unbezahlte Rechnungen und künftige Lieferbedingungen alle Lieferungen an das Nachbarland gestoppt. Die Entscheidung weckte Erinnerungen an einen ähnlichen Streit 2006, als auch die Lieferungen an Westeuropa zeitweise eingeschränkt waren.

Die Ukraine bemüht sich nun um Unterstützung in Europa. Eine Delegation unter Führung des Energieministers Jurij Prodan brach am Freitag nach Prag auf. Brüssel sollte eine weitere Station der Reise sein. Direkte Kontakte zwischen Kiew und Moskau waren vorerst nicht geplant. In Deutschland wurden bislang keine Störungen in der Gasversorgung registriert.

Die Ukraine hofft auf eine schnelle Kompromisslösung. Staatspräsident Wiktor Juschtschenko sagte am Donnerstag in Kiew, er erwarte in Kürze die Wiederaufnahme der Verhandlungen und ihren erfolgreichen Abschluss bis zum 7. Januar.

suc/Reuters/dpa-AFX/AP



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