Nährwertkennzeichnung SPD wirft Seehofer Lobbynähe vor

Der Wille der Wähler egal, nur die Wünsche der Industrie zählen: Die SPD kritisiert Verbraucherminister Seehofer, weil dieser eine farbige Kennzeichnung von Nährwerten auf Lebensmittelverpackungen weiter ablehnt. Die Sozialdemokraten wittern zu viel Lobbynähe.


Hamburg - Warum Horst Seehofer sich gegen die sogenannte Ampelkennzeichnung bei Lebensmitteln sträubt, ist für den Koalitionspartner völlig klar: "Der Minister muss sich endlich aus der Umklammerung der Lobby lösen", sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber der "Passauer Neuen Presse". Ein Verbraucherminister habe "seinen Job verfehlt", wenn er die These vertrete, Information und Transparenz seien ein Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen.

"Wir erwarten hier eine Kurskorrektur", sagte Kelber weiter. Seehofer müsse Anwalt der Verbraucher sein, die sich einer Umfrage zufolge für eine farbige Nährwertkennzeichnung ausgesprochen hätten.

Das Bundesverbraucherministerium hatte am Mittwoch erklärt, ein Farbsystem zur Kennzeichnung von Nährwerten in Lebensmitteln werde nicht weiter geprüft - obwohl eine von dem Ministerium selbst in Auftrag gegebene Umfrage ergeben hatte, dass die Verbraucher genau das wünschen. Seehofer will stattdessen bei dem mit der Wirtschaft vereinbarten System freiwilliger Angaben zu Kalorien, Fett, Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren bleiben. Das aber wird von Ernährungswissenschaftlern und Verbraucherschützern als unübersichtlich und wenig effektiv kritisiert.

sam/ddp/dpa



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