Nahverkehrstreik Ver.di legt Berlin lahm – Pendler-Chaos droht

Seit Mitternacht stehen Busse, Tram- und U-Bahnen still: Rund 12.000 Beschäftigte bestreiken am Freitag und Samstag den öffentlichen Nahverkehr in Berlin. Die Gewerkschaft will damit ihre Lohnziele durchdrücken – und die sind durchaus ehrgeizig.


Berlin – Es ist lange her: Den letzten großen Arbeitskampf im Berliner Nahverkehr gab es 1992. Nun streikt Ver.di wieder, erst einmal bis zum Samstagnachmittag um 15 Uhr.

Eine U-Bahn in Kreuzberg: "Da läuft nichts"
DDP

Eine U-Bahn in Kreuzberg: "Da läuft nichts"

Die Gewerkschaft rief die 12.000 Beschäftigten der Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG) zu den Arbeitsniederlegungen auf - zuvor waren die Tarifverhandlungen gescheitert. "Es ist der Beschluss gefasst worden, in einen Warnstreik zu treten", sagte der zuständige Ver.di-Vertreter Frank Bäsler.

Die Arbeitgeber hätten nur ein "Scheinangebot" vorgelegt, das eine Provokation für die Belegschaft sei. Laut Bäsler würde es für 95 Prozent der Beschäftigten keine Entgeltverbesserung bringen.

Worum geht es? Die Gewerkschaft fordert für die rund 12.000 Beschäftigten der BVG und ihres Tochterunternehmens Berlin Transport zwölf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 250 Euro pro Monat. Die Arbeitgeber hatten für Januar bis Juli 2008 eine Einmalzahlung von 200 Euro sowie eine anschließende Entgelterhöhung um vier Prozent angeboten. Um weitere zwei Prozent sollen die Löhne und Gehälter 2010 steigen.

Selbst in den Call-Centern ruht die Arbeit

Busse, Tram- und U-Bahnen werden wegen des Streiks in den Depots stehen bleiben. "Da läuft nichts", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Da auch in den Call-Centern die Arbeit ruhe, bleibe den Kunden als Informationsquelle zum Betrieb nur das Internetangebot der BVG.

Die von der Deutschen Bahn betriebene S-Bahn und die Regionalbahnen sind vom Streik nicht betroffen. In einigen Randgebieten Berlins fahren zudem die Busse einiger weniger Privatunternehmen.

Die BVG ist eines der größten europäischen Nahverkehrsunternehmen und betreibt neun U-Bahn-, 22 Straßenbahn-, 147 Buslinien sowie sechs Fähren. Täglich befördert das Unternehmen 2,4 Millionen Fahrgäste. Die Busse und Bahnen bringen es auf eine jährliche Fahrleistung von rund 250 Millionen Kilometern.

Vom Streik betroffen sind zum Beispiel die Besucher von Großveranstaltungen am Wochenende, darunter auch eines Fußball-Bundesligaspiels von Hertha BSC. Die BVG rät den Kunden, auf die S-Bahn umzusteigen.

itz/Reuters/ddp



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