Namensaffäre Borussia-Aktie droht das Börsen-Aus

Weil Borussia Dortmund Markenrechte am Vereinsnamen verpfändete und dies verschwieg, könnte der Club nun von der Börse ausgeschlossen werden. Verhandlungen über einen dringend nötigen Kredit für den Krisenclub kommen nicht voran.


Borussia-Fans: Für große Kredite nicht solvent genug
DDP

Borussia-Fans: Für große Kredite nicht solvent genug

Dortmund/Hamburg - Die Zulassungsstelle der Frankfurter Wertpapierbörse habe sich per Auskunftsersuchen an die Borussia gewandt und warte nun auf eine Erklärung des Clubs wegen der Verpfändung von Markenrechten an den Kölner Versicherungskonzern Gerling, zitiert die "Financial Times Deutschland" (FTD) eine Börsensprecherin. Mit einer Entscheidung werde frühestens kommende Woche gerechnet. Borussia Dortmund hatte die Verpfändung seines Namens beim Börsengang im Jahr 2000 verschwiegen.

Der Börsenclub hatte vergangene Woche bestätigt, dass sechs Markenrechte, bei denen der Vereinsname und das Vereinsemblem Bestandteil sind, übertragen wurden. Darstellungen, wonach der Verein nicht mehr uneingeschränkt über den Traditionsnamen verfügen könne, widersprachen die Verantwortlichen. "Die ideelle Nutzung von Vereinsnamen und Vereinsemblem steht dem Verein und allen Fanclubs uneingeschränkt zu, und zwar auch im Verwertungsfall", sagte Manuel Neukirchner, Leiter der BVB-Abteilung Investor Relations.

Die Verpfändung fand ihm Rahmen eines Vertragswerkes statt, dass der BVB rund um seine Sportartikelmarke goool.de mit Gerling abgeschlossen hat. Kurz vor dem Börsengang hatte Gerling die Marke für 20 Millionen übernommen und für eine jährliche Leasinggebühr von gut 1,4 Millionen Euro an Borussia zurückvermietet. Als Sicherheit für die Pünktlichkeit seiner Ratenzahlung an Gerling verpfändete Dortmund die Markenrechte.

Da der Vorgang vor dem Börsengang stattfand und in Teilen nicht im Anlegerprospekt beschrieben wurde, wären theoretisch auch Klagen seitens der Aktionäre möglich. Beobachter rechnen allerdings nicht damit, dass der Club Schadenersatz leisten muss. "Bei Prospekthaftung gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Da der Börsengang im Herbst 2000 stattfand, ist diese verstrichen", sagte Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die Lage des einzigen an der Börse notierten Bundesligaclubs bleibt weiter prekär. Eine Finanzspritze in dreistelliger Millionenhöhe von der Westdeutschen Landesbank (WestLB) sei vorerst nicht in Sicht, berichtet die "FTD" unter Berufung auf Finanzkreise weiter. Trotz Drucks der Düsseldorfer Landesregierung wolle WestLB-Chef Thomas Fischer kein Kapital bereitstellen. Ein Engagement bei der Borussia passe nicht zur Strategie der WestLB. Außerdem sei der Kunde Borussia Dortmund für einen Kredit in dieser Größenordnung nicht solvent genug.



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