Napster-Fehde 17-Milliarden-Klage gegen Bertelsmann zugelassen

Universal Music und EMI haben sich durchgesetzt: Der Medienkonzern Bertelsmann kann wegen seines Engagements bei der Internet-Musikbörse Napster verklagt werden. Das hat eine US-Gericht in San Francisco beschlossen.

San Francisco - Bertelsmann und andere ehemalige Napster-Investoren hatten beantragt, die Klagen der konkurrierenden Musikkonzerne abzuweisen. US-Bundesrichterin Marilyn Patel hat dem aber nicht stattgegeben.

Patel entschied, die Kläger hätten das Recht auf den Versuch, ihre Vorwürfe zu beweisen. Die Kläger werfen Bertelsmann und der Investmentfirma Hummer Winblad vor, Napsters Existenz künstlich verlängert zu haben. Die Gütersloher hatten Napster 2000 ein Darlehen über 90 Millionen Dollar gewährt.

Dadurch habe Napster acht Monate länger fortbestehen können als ohne Finanzspritze, behaupten die Bertelsmann-Konkurrenten. Wegen des entgangenen Umsatzes sei der Musikbranche insgesamt ein Schaden von rund 17 Milliarden Dollar entstanden, so die These der angelsächsischen Musikkonzerne, die diese Summe als Schadenersatz beanspruchen. Ein Anwalt von Bertelsmann zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe als falsch herausstellen würden.

Bertelsmann wollte damals - unter Führung des damaligen Vorstandschefs Thomas Middelhoff - Napster in einen legalen Abonnenten-Service umwandeln. Das Vorhaben misslang zunächst. Nachdem per Gerichtsbeschluss der Dienst eingestellt werden musste, schlidderte Napster in die Insolvenz. Inzwischen gehört die Marke dem US-Softwareunternehmen Roxio, der derzeit mit dem alten Namen ein legales Musikangebot aufbaut.