Sanktionslasten berücksichtigt Deutschlands Nato-Beitrag höher als angenommen

Zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung sollen die Mitgliedstaaten der Nato für Verteidigung ausgeben. Deutschland wird dafür kritisiert, weit darunterzuliegen. Eine Studie zeigt jetzt: So groß ist die Lücke gar nicht.
Nato-Flagge (Archivbild)

Nato-Flagge (Archivbild)

Foto: Daniel Naupold/ dpa

US-Präsident Donald Trump hat Nato-Mitglied Deutschland wiederholt wegen zu geringer Verteidigungsausgaben kritisiert. Einer neuen Studie des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW) zufolge ist der deutsche Finanzbeitrag allerdings viel höher, als allgemein berechnet. Grund hierfür sind die Lasten der Wirtschaftssanktionen, die zum Beispiel gegen Russland verhängt wurden. Diese wurden in der Studie einberechnet.

Aus der Studie "The Economic Costs of War by Other Means"  ("Die wirtschaftlichen Kosten des Krieges mit anderen Mitteln") ergibt sich, dass Deutschlands Ausgaben für die Verteidigung von 1,57 auf 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigt, wenn man die Lasten der Wirtschaftssanktionen einbezieht. Die US-Ausgaben erhöhten sich dagegen nur von 3,87 auf 3,88 Prozent des BIP. Relativ am höchsten seien die Sanktionskosten für Litauen mit 1,56 Prozent des BIP, womit das Land 3,84 Prozent seiner Wirtschaftsleistung zu den Nato-Zielen beitrage.

Die Nato und insbesondere die USA verfolgten geostrategische Ziele nicht mehr nur militärisch, sondern auch mit Wirtschaftssanktionen, erklärte das IfW. Diese verursachten in Ländern wie Deutschland und Litauen hohe Kosten, in den USA dagegen kaum. Weil dieser "war by other means" ("Krieg mit anderen Mitteln") von den USA zunehmend als Teil einer außenpolitischen Strategie betrachtet" werde, sei es gerechtfertigt, deren Lasten als "monetären Beitrag zur Nato anzuerkennen", begründet IfW-Präsident Gabriel Felbermayr.

Nur noch knapp unter Zwei-Prozent-Marke

Die Berechnungen beruhen auf Nato-Angaben zu den Verteidigungsausgaben sowie aktuellen Handelsdaten. Deutschland und die EU lägen - die Sanktionskosten eingerechnet - mit ihren Beiträgen zu den Nato-Zielen nur noch knapp unter der angestrebten Zwei-Prozent-Marke des BIP. "Die Kritik der USA an unseren Verteidigungsausgaben wird dadurch deutlich entkräftet", sagte Felbermayr.

Wirtschaftssanktionen von Nato-Mitgliedern verursachen laut IfW pro Jahr geschätzt einen wirtschaftlichen Schaden in den Bündnisländern von knapp 34 Milliarden US-Dollar. Den Großteil tragen mit 29,5 Milliarden Dollar die Europäer. Deutschland trägt dabei mit 8,1 Milliarden Dollar die höchsten ökonomischen Kosten. Das entspricht 0,23 Prozent des BIP. Die USA verlieren nur 2,6 Milliarden Dollar oder 0,01 Prozent ihres BIP.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, die zwei Prozent der Wirtschaftsleistung müssten von den Mitgliedsländern an die Nato abgeführt werden. Tatsächlich geht es bei der Zahl um das Verhältnis der Verteidigungsausgaben zur Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes. Wir haben die Stellen korrigiert.

kim/dpa
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