Historische Dokumente Bank of England half bei Verkauf von Nazi-Gold

Die britische Notenbank bekennt sich zu einem dunklen Punkt ihrer Geschichte. Das Geldhaus half 1939 den Nationalsozialisten dabei, Beute-Gold aus der damaligen Tschechoslowakei zu verkaufen - gegen die Anordnung der britischen Regierung.
Montagu Norman, 1939 Gouverneur der Bank of England: Ausweichende Antwort

Montagu Norman, 1939 Gouverneur der Bank of England: Ausweichende Antwort

Foto: Len Putnam/ AP

London - Diese Rolle der Bank of England (BoE) war bisher unbekannt: Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs half die britische Zentralbank den Nationalsozialisten, in der damaligen Tschechoslowakei erbeutetes Gold zu verkaufen. Dies geschah entgegen einer Anordnung der britischen Regierung, wie aus historischen Dokumenten hervorgeht, die von der Bank of England auf ihrer Website veröffentlicht  wurden.

Demnach hatte die britische Regierung alle tschechischen Besitztümer eingefroren, die sich zur betreffenden Zeit in London befanden. Dennoch war die Bank 1939 in den Verkauf der gestohlenen Goldbarren für die Reichsbank verwickelt.

In den Dokumenten aus dem Jahr 1950 wird ein Auftrag vom März 1939 beschrieben. Gold im Wert von damals 5,6 Millionen Pfund sollte vom Konto der Tschechischen Nationalbank bei der Bank for International Settlements (BIS) auf ein Konto der Reichsbank überwiesen werden, das ebenfalls zur BIS gehörte. Nach Berechnungen der "Financial Times " läge der Wert des Goldes heute bei etwa 736 Millionen Pfund, umgerechnet rund 845 Millionen Euro.

Im Juni gab es eine weitere Transaktion von deutlich geringerem Wert. Zwar war damals der Schatzkanzler informiert und um Rat gefragt worden, aber da sich die Antwort verzögerte, nahm die Bank die Überweisung einfach vor. Was die Dokumente ebenfalls zeigen: Montagu Norman, damals Gouverneur der BoE, wich den Nachfragen der damaligen Regierung nach dem tschechischen Gold aus. Die Zentralbank habe keinerlei Kenntnis, ob das Gold der BIS oder ihren Kunden gehöre.

Die Veröffentlichung der Dokumente ist Teil eines Projekts zur Digitalisierung der Archive der Bank of England.

nck/dpa
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