Nervöse Finanzmärkte Miese Konjunkturdaten drücken Börsen tief ins Minus

Ein schwacher Start ins Weihnachtsgeschäft und miserable Daten zur US-Industrie: Das verdirbt den Anlegern in den USA die Laune. Der Dow Jones verliert rund vier Prozent, auch die deutschen Börsen rutschen stark ab - sie leiden unter der Krise der Stahl- und Autoindustrie.


New York/Frankfurt am Main - Es ist die wichtigste Zeit des Jahres, doch die verheißt nichts Gutes: Die Aussicht auf ein schlechtes Weihnachtsgeschäft hat den Anlegern in den USA die Kauflaune verdorben. Die New Yorker Aktienbörsen starteten wegen der Konjunktursorgen mit einem deutlichen Minus in die neue Woche. Zudem drückten Nachrichten aus Asien und der Euro-Zone die Stimmung auf dem Parkett: Den Unternehmen in Asien und Europa brechen Umfragen zufolge im Rekordtempo die Aufträge weg.

Händler an New Yorker Börse: Aufträge brechen im Rekordtempo weg
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Händler an New Yorker Börse: Aufträge brechen im Rekordtempo weg

Der Dow-Jones-Index Chart zeigen der Standardwerte fiel daraufhin um mehr als vier Prozent auf 8450 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index sank um 4,6 Prozent auf 854 Punkte. An der Nasdaq gab der Composite-Index um 4,27 Prozent auf 1470,01 Punkte ab. Der Nasdaq Composite Chart zeigen fiel um 3,99 Prozent auf 1138,47 Punkte.

Vor allem Finanztitel verbuchten Verluste. Die Aktien von Bank of America Chart zeigen und Goldman Sachs Chart zeigen fielen jeweils mehr als sieben Prozent. Citigroup Chart zeigen-Aktien brachen um mehr als zehn Prozent ein. Die Großbank hat dem spanischen Baukonzern Sacyr-Vallehermoso Chart zeigen für 7,9 Milliarden Euro sein Autobahngeschäft Itinere abgekauft. Energietitel wurden von einem sinkenden Ölpreis nach unten gezogen: So gaben etwa die Aktien von Exxon Mobil Chart zeigen im frühen Handel mehr als drei Prozent nach.

US-Industrie verliert deutlich an Schwung

Weitere alarmierende Daten: Die US-Industrie hat im November so stark an Schwung verloren wie seit 26 Jahren nicht. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager fiel auf 36,2 von 38,9 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Montag mitteilte. Dies war der niedrigste Wert seit 1982. Experten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang auf 37,0 Punkte gerechnet.

Im Sog fallender Kurse an der Wall Street haben auch in Europa viele Aktienindizes ihre Verluste ausgebaut. Der Dax Chart zeigen notierte am späten Montagnachmittag 5,5 Prozent niedriger bei 4415 Punkten; der Stoxx 50 Chart zeigen verlor 5,4 Prozent auf 2042 Zähler. In Moskau wurde der Micex wegen zu hoher Kursverluste sogar für den Rest des Tages vom Handel ausgesetzt. "Es ist wieder das gleiche Lied", sagte ein Marktteilnehmer: "Konjunkturängste und schwache Unternehmensdaten".

Der MDax Chart zeigen der mittelgroßen Werte sank um 3,7 Prozent auf 5157 Zähler. Der TecDax Chart zeigen verlor 4,2 Prozent auf 476 Punkte. Händler verwiesen auf Abschläge bei Stahl-, Auto- und Finanztiteln. Daimler Chart zeigen verloren 4,66 Prozent auf 23,505 Euro. Analyst Tim Schuldt von equinet verwies auf die geplante Produktionskürzung im Lkw-Bereich als Belastungsfaktor. Daimler will wegen stark rückläufiger Lkw-Bestellungen in Europa im Werk Wörth die Fertigung im ersten Quartal 2009 deutlich herunterfahren. Händlern zufolge drückte dies auch auf den Kurs von MAN Chart zeigen. Die Aktie fiel um 5,69 Prozent auf 33,62 Euro. Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen rutschten als der größte Dax-Verlierer um 7,47 Prozent auf 25,89 Euro ab. Börsianer verwiesen einhellig auf Gewinnmitnahmen nach dem jüngst freundlichen Kursverlauf.

Stahlwerte gaben ebenfalls nach. ThyssenKrupp Chart zeigen verloren 4,82 Prozent auf 15,19 Euro. Händler verwiesen auf eine Gewinn- und Umsatzwarnung vom finnischen Branchenkollegen Rautaruukki. Dieser kündigte zudem an, wegen der schwächeren Nachfrage Stellen streichen zu wollen. Die Gewinnwarnung belaste den kompletten europäischen Stahlsektor, sagte der Händler. Salzgitter Chart zeigen verloren im MDax 8,58 Prozent auf 49,68 Euro. Die Salzgitter-Tochter Klöckner-Werke Chart zeigen senkte zuvor angesichts des konjunkturellen Abschwungs ihre Jahresprognose.

sam/Reuters/dpa



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