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FERNSEHEN Nestlé stoppt ZDF-Beitrag

aus DER SPIEGEL 50/1999

Das ZDF hat in der vergangenen Woche kurzfristig einen Beitrag über angeblich illegale Marketing-Methoden von Nestlé in Pakistan abgesetzt. Nestlé-Sprecher François Perroud hatte am vergangenen Mittwoch persönlich in der Berliner Redaktion »Kennzeichen D« und danach bei den ZDF-Justiziaren in der Mainzer Zentrale den Kronzeugen Aamar Syed Raza bezichtigt, seinen früheren Arbeitgeber Nestlé getäuscht und versuchsweise um 60 000 Dollar erpresst zu haben. Zwischen 1994 und 1997 hatte Aamar als »medical delegate« für Nestlé in Pakistan den Verkauf von Babynahrung gefördert. »Wir haben Ärzte bestochen, Mütter von Kleinkindern beschwatzt und mit Gratisproben gelockt«, schildert Aamar eine Praxis, die gegen einschlägige Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO verstößt. An Eides statt hat Aamar gegenüber den Journalisten versichert, seinen Arbeitgeber nicht erpresst zu haben. Der Nestlé-Mann hingegen bekräftigte gegenüber dem SPIEGEL, Nestlé verfüge über den illegalen, aber »moralisch vertretbaren« Mitschnitt eines Telefonats von vor zwei Jahren, in dem Aamar 60 000 Dollar Schweigegeld verlangt haben soll. Dieses Tonband wie auch ein angeblich gefälschtes Schulzeugnis des Kronzeugen präsentierte Perroud dem ZDF nicht, das Band liege in Pakistan »sicher im Safe«. Mit einer versprochenen, notariell beglaubigten Abschrift des vermeintlichen Telefonats will sich das ZDF-Magazin nicht zufrieden geben. »Bringt Nestlé das zugesagte Tonband nicht bei«, so der Leiter von »Kennzeichen D«, Olaf Buhl, »dann hat das Unternehmen ein Problem.«

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