Netto-Atlas Deutsche haben im Schnitt 1345 Euro zum Leben

Steuer, Versicherung, Miete, Lebensmittel: Nach Abzug aller nötigen Ausgaben bleibt vom Brutto wenig übrig. Laut einer Studie hat ein Durchschnittshaushalt 1345 Euro frei zur Verfügung. Dabei gibt es große Unterschiede - wer viel hat, kann auch viel behalten.


Hamburg - Wie viel Geld haben die Deutschen wirklich? Bisher gab es darauf eine einfache Antwort: Vom Bruttoeinkommen werden alle Steuern und Sozialabgaben abgezogen, so erhält man das Nettoeinkommen - und das können die Bürger dann ausgeben.

Die Realität sieht anders aus. Denn neben Steuern und Sozialabgaben gibt es eine Reihe weiterer Ausgaben, an denen keiner vorbeikommt: Miete oder Lebensmittel zum Beispiel. Frei verfügen können die Menschen deshalb über deutlich weniger Geld - Experten sprechen vom sogenannten Netto-Netto.

Wie groß dieser Betrag ist, hat nun das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) ausgerechnet. Im Auftrag des Finanzdienstleisters AWD haben die Ökonomen einen Netto-Netto-Atlas erstellt - mit erstaunlichen Ergebnissen (siehe Grafiken).

Ein deutscher Durchschnittshaushalt kommt demnach auf ein monatliches Bruttoeinkommen von 3471 Euro. Darin sind alle Einkünfte enthalten - neben dem Gehalt zählen dazu auch Rentenbezüge, Lohnersatzleistungen, Vermögenseinkünfte und Transferleistungen. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben bleiben 2706 Euro netto übrig.

Von diesem Betrag zieht das RWI weitere nicht vermeidbare Ausgaben ab, die das Bundessozialhilfegesetz als lebensnotwendig festlegt. Das gilt für Kleidung ebenso wie für Produkte zur Körperpflege, für Miete, Lebensmittel, Energie, Mobilität und Kinderbetreuung. Tatsächlich zur Verfügung haben die Haushalte dann nur noch 1345 Euro - das sogenannte Netto-Netto.

Deutschlandweit ergeben sich allerdings gravierende Unterschiede. In Bayern können die Bürger 54,2 Prozent ihres Nettoeinkommens frei ausgeben, in Mecklenburg-Vorpommern sind es nur 40,6 Prozent - der Rest ist durch fixe Kosten fest verplant.

Bemerkenswert sind auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Haushaltstypen. So stehen Alleinerziehende weit schlechter da als kinderlose Paare (siehe Grafiken). Im Einzelfall macht dies enorm viel aus: Laut RWI haben kinderlose Paare in Bayern rund 800 Euro monatlich mehr zur Verfügung als Alleinerziehende in Sachsen-Anhalt - bei gleichem Bruttoeinkommen.

Grund sind die hohen laufenden Kosten, die Alleinerziehende zu tragen haben. Im Durchschnitt müssen sie fast 70 Prozent ihres Nettoeinkommens für lebensnotwendige Ausgaben einplanen.

Deutlich besser stehen Haushalte da, die ohnehin gut verdienen: Wer ein hohes Bruttoeinkommen hat, dem bleibt auch netto-netto viel übrig. Bestverdiener können laut RWI über Dreiviertel ihres Nettogehalts frei verfügen.

In der untersten Einkommensklasse hingegen ist das Netto-Netto sogar negativ. Das bedeutet: Die lebensnotwendigen Ausgaben sind höher als das durchschnittliche Nettoeinkommen von 764 Euro. Rein rechnerisch müssen sich diese Haushalte Monat für Monat verschulden. In der Regel tun sie dies jedoch nicht - stattdessen wird selbst an lebensnotwendigen Ausgaben gespart.

wal



insgesamt 232 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gbartkowiak 21.04.2009
1.
Zitat von sysopDie Bruttolöhne sind im vergangenen Jahr leicht gestiegen, doch netto bleibt den Bürgern immer weniger übrig. Was muss sich ändern?
Die Abgabenquote auf Gehälter und Einkommen sollte gesenkt werden. Entsprechende Einkommensausfälle des Staates müssten durch eine rigorose Sparpolitik und Um- und Abbau der Sozialsysteme ausgeglichen werden. Deutschland hat sich seinen Wohlstand in den letzten +30 Jahren auf Kredit finanziert und nicht durch wachsende Wirtschaftsleistungen und muss anfangen diesen Fehler zu korrigieren. Eine Absenkung des allgemeinen Lebensstandarts wird die beinahe zwangsläufige Folge sein . Aber wenn Arbeit in Deutschland wieder bezahlbar ist werden vielleicht wieder Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen statt abgebaut und ein nachhaltig finanzierbares Staatsmodell geschaffen.
kdshp 21.04.2009
2.
Zitat von sysopDie Bruttolöhne sind im vergangenen Jahr leicht gestiegen, doch netto bleibt den Bürgern immer weniger übrig. Was muss sich ändern?
Hallo, wie muss ? Wer profitiert denn davon das real weniger in der tasche bleibt ? Als wenn die da auf was verzichten würden ! Kommt mir manchmal so vor als wenn zb. die strommonoplisten die priese erhöhen sobald die sehen/mitbekommen : He die haben was mehr netto in der tasche also preise rauf ! Das gehört ja zur umverteilung also die von "unten nach oben" dazu bzw. ist ein teil von diesem verteilsystem. Wo gehen den die mrd gewinne zb. der stromkonzerne hin ?
Rainer Eichberg 21.04.2009
3.
Zitat von sysopDie Bruttolöhne sind im vergangenen Jahr leicht gestiegen, doch netto bleibt den Bürgern immer weniger übrig. Was muss sich ändern?
Keine Ahnung. Ich versteh's nämlich nicht. Angeblich gab es doch Steuersenkungen, oder? Angeblich sind doch auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gesenkt worden, oder? Wieso sind die Abzüge vom Brutto-Lohn trotzdem gestiegen? Versteh' ich nicht.
Interessierter0815 21.04.2009
4.
Zitat von sysopDie Bruttolöhne sind im vergangenen Jahr leicht gestiegen, doch netto bleibt den Bürgern immer weniger übrig. Was muss sich ändern?
Siehe startseite verluste von 4 Billionen pseudodollar. Wir haben eine Handfeste Systemkrise, die alle 60-80Jahre zur Katastrophe führt. Aber tolles Thema...
raess2007 21.04.2009
5. nutoo und bretto
Das erklärt es doch sehr gut : http://www.youtube.com/watch?v=6PJk20q6Hns
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.