Neue Arbeitswelt Managerinnen fühlen sich schlecht auf Globalisierung vorbereitet

Sie sind gut ausgebildet, beherrschen Fremdsprachen und besitzen interkulturelle Kompetenz. Trotzdem fühlen sich deutsche Managerinnen nicht gut genug für die Globalisierung gerüstet. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen - und internationalen Berufsgenossinnen.


Frankfurt am Main - Es sind eigentlich die Fähigkeiten für morgen: Frauen denken weitsichtiger, handeln sozial verantwortlicher und beziehen auch Aspekte wie interkulturellen Kompetenzen und Umweltschutz in ihre Überlegungen mit ein. Und trotzdem fühlen sich zwei Drittel der deutschen Managerinnen und Entscheidungsträgerinnen nicht ausreichend auf die Herausforderungen der Globalisierung vorbereitet, so das Ergebnis einer Studie der Managementberatung Accenture. Nur knapp ein Drittel der befragten Frauen, 32 Prozent, fühlen sich ausreichend gerüstet, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, so eines der Ergebnisse.

Selbstbewusste Führungskräfte: Die Bundesministerinnen von der Leyen, Wieczorek-Zeul und Zypries
DPA

Selbstbewusste Führungskräfte: Die Bundesministerinnen von der Leyen, Wieczorek-Zeul und Zypries

Bei den Männern dagegen sieht das Ergebnis anders aus: Hier hält sich immerhin fast die Hälfte, nämlich 49 Prozent, für ausreichend gerüstet. Für die Studie wurden weltweit 4100 Führungskräfte aus 17 Ländern befragt, davon waren mit 48 Prozent knapp die Hälfte Frauen. Dabei wurde gezielt nach den Handlungsfeldern gefragt, die das künftige Arbeitsumfeld prägen werden: Flexibilität, eine stärkere Verflechtung der Weltwirtschaft, die Nutzung neuer Technologien aber auch interkulturelle Kompetenz und Netzwerkbildung.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Männer und Frauen hier klar unterschiedliche Prioritäten haben: "Männer sind wesentlich häufiger bereit, neue Technologien zu erlernen und anzuwenden", heißt es in der Studie. So gaben drei Viertel der befragten männlichen Führungskräfte an, dass ihnen der Einsatz von neuen Technologien dabei helfe, das tägliche Arbeitsvolumen zu bewältigen. Bei den Frauen waren es nur 60 Prozent. Außerdem seien Männer häufiger bereit, zusätzliche Verantwortung und komplexe Aufgaben zu übernehmen und seien offener gegenüber beruflichen Standortwechseln.

Frauen halten noch immer die "Soft skills" hoch

Das Leitbild weiblicher Managerinnen zeichnet sich dagegen immer noch durch die sogenannten "soft skills" aus - sie halten die Übernahme gesellschaftlicher und politischer Verantwortung sowie die Sensibilisierung für soziale und kulturelle Probleme für wichtig. Dabei, so das Ergebnis der Studie, gelten noch immer die sogenannten "harten" Qualifikationen als "Karrierebeschleuniger" - auch wenn Sprachen oder das Nutzen kultureller Unterschiede an Bedeutung gewinnen. "Entscheidend für die Zukunft ist, dass weibliche Führungskräfte sich im Kontext der Globalisierung ihrer Stärken bewusst werden und diese kontinuierlich ausbauen", sagt Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture im Bereich Kommunikation und High Tech.

Bislang funktioniert das allerdings noch nicht richtig - auf jeden Fall bei den deutschen Managerinnen. Sie schätzten ihre Karrierechancen in einer globalisierten Arbeitswelt schlechter ein als Männer. So haben 42 Prozent der befragten Frauen angegeben, dass sie keine weitere Entwicklung ihrer Karriere erwarten, bei den männlichen Befragten waren das nur 32 Prozent.

Managerinnen aus Schwellenländern sind selbstbewusster

Ganz anders sieht das allerdings im internationalen Vergleich aus, hier zeigen sich die weiblichen Führungskräfte deutlich selbstbewusster - vor allem die, die aus aufstrebenden Schwellenländern kommen. So gaben etwa die befragten Führungskräfte aus Indien zu 68 Prozent an, sich ausreichend gerüstet für die Globalisierung zu fühlen, in Südafrika waren es 63 Prozent, in China 61 Prozent.

Dabei sind nicht nur die deutschen Managerinnen so zurückhaltend bei der Einschätzung ihrer Fähigkeiten, der Unterschied zu den Industrieländern ist auffällig: So halten sich auch nur 25 Prozent der Französinnen und 26 Prozent der Engländerinnen für ausreichend ausgerüstet. Ziel müsse es laut Hinkel deshalb langfristig sein, die Mitarbeiter mit Kompetenzen auszustatten, die mitunter noch gar nicht oder nicht in vergleichbarem Maße eingefordert würden. "Faktoren, die früher als Karrierehemmnis betrachtet wurden, können dann mitunter einen enormen Wettbewerbsvorteil bedeuten."

sam



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.