Neue Astra-Produktion Erleichterung in Bochum, Bibbern in Antwerpen

Es kam zumindest weniger schlimm als befürchtet. Die Opel-Mutter General Motors will nun doch keins der europäischen Werke dichtmachen. Die schlechte Nachricht: Zwei Jahre nach den schärfsten Einschnitten in der Nachkriegszeit werden erneut Tausende Arbeitsplätze gestrichen.


Brüssel/Bochum - "Ich bin unheimlich erleichtert", sagte der Vorsitzende des Bochumer Opel-Betriebsrats, Rainer Einenkel, nach einem Treffen zwischen GM-Management und Arbeitnehmervertretern. Da hatte er grade erfahren, dass die neue Version des Astra unter anderem auch in Bochum gebaut werden soll. Das Werk sei damit bis voraussichtlich 2016 ausgelastet, so Einenkel. Der drohende Personalabbau werde sich ohne Kündigungen bewerkstelligen lassen.

Astra-Kontrolle in Bochum: "Das ist kein glücklicher Tag, aber ein Tag der Vernunft."
DDP

Astra-Kontrolle in Bochum: "Das ist kein glücklicher Tag, aber ein Tag der Vernunft."

Der Europachef des Konzerns, Carl-Peter Forster, äußerte sich allerdings nicht dazu, wie viele Arbeitsplätze der Modellwechsel beim Astra in Bochum kosten wird. Die Modernisierung der Fertigung werde auch in Deutschland Stellen kosten, sagte er nur.

Die Produktion des neuen Kompaktmodells soll im Frühjahr 2010 anlaufen. Die neue Generation des Kompaktwagens wird ab 2010 außerdem in Gliwice (Polen), Ellesmere Port (England) und Trollhättan (Schweden) gebaut. Nach GM-Angaben will der Konzern in die künftigen Astra-Fabriken insgesamt 3,1 Milliarden Euro investieren. Dadurch soll die Produktivität der Werke um rund 30 Prozent gesteigert werden. Geplant ist eine jährliche Produktion von 750.000 Fahrzeugen.

Noch dieses Jahr 1400 Jobs weniger in Antwerpen

Während die Bochumer Mitarbeiter aufatmen konnten, fängt in Antwerpen das große Zittern an: Denn dort wird ab 2010 die Astra-Produktion auslaufen. Forster erklärte zwar, es gehe nicht um das Aus für den Standort. Allerdings sei es Ziel des Konzerns, schon in diesem Jahr in Antwerpen rund 1400 der derzeit rund 4500 Stellen abzubauen. Das Management werde sich für eine sozialverträgliche Lösung einsetzen. Statt des Astra sollen in Antwerpen künftig Modelle der GM-Marke Chevrolet für den europäischen Markt gebaut werden. Chevrolet hat im vergangenen Jahr europaweit rund 350.000 Fahrzeuge verkauft, die bislang ausnahmslos in Korea gefertigt werden.

Der Vorsitzende des Opel-Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, sagte, die Arbeitnehmervertreter hätten ihr wichtigstes Ziel erreicht. Die befürchtete Schließung eines kompletten Werkes sei verhindert worden. Auch die teilweise Verlagerung der Chevrolet-Produktion nach Europa gehe auf eine Forderung der Betriebsräte zurück. Dennoch sei die Entscheidung zum Ende der Astra-Produktion in Antwerpen bitter: "Das ist kein glücklicher Tag, aber ein Tag der Vernunft."

Management und Betriebsrat müssen in den nun folgenden Gesprächen klären, in welchem Werk künftig wie viele Astras gebaut werden sollen. Der Europachef von General Motors mahnte erneut eine deutliche Kostensenkung an. Der Konzern habe Einsparungen von 450 Millionen Euro pro Jahr gefordert, der Betriebsrat rund 290 Millionen Euro angeboten, sagte Forster: "Da sind wir noch nicht am Ende." Mit einer Einigung wird bis Jahresende 2007 gerechnet.

ase/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.