Neue Coronavariante Ist Omikron jetzt in Deutschland?

61 von 600 Passagieren zweier KLM-Flüge aus Südafrika wurden nach der Ankunft in Amsterdam positiv getestet – trotz 3G-Regel bei der Einreise. Dies lässt befürchten, dass die neue Variante auch hierzulande schon eingetroffen ist.
Passagiere sitzen an Bord des KLM-Flugs 598 auf dem Rollfeld des Amsterdamer Flughafens. 61 von 600 Reisenden zweier Maschinen aus Südafrika wurden später positiv getestet.

Passagiere sitzen an Bord des KLM-Flugs 598 auf dem Rollfeld des Amsterdamer Flughafens. 61 von 600 Reisenden zweier Maschinen aus Südafrika wurden später positiv getestet.

Foto: UGC / AP / dpa

»Ich kann mir vorstellen, dass Sie zahlreiche Fragen haben«, sagt der KLM-Pilot auf dem Handyvideo durch den Bordlautsprecher. »Die habe ich auch.« Die Handykamera schwenkt nach links und zeigt die Passagiere eines KLM-Flugs aus Südafrika, die auf ihren Plätzen sitzen. Stundenlang.

Freitagmorgen, zwei Maschinen der niederländischen Fluggesellschaft aus Johannesburg und Kapstadt sind in Amsterdam-Schiphol gelandet. Aber die Passagiere der Flüge KLM 592 und KLM 598 dürfen nicht von Bord. Wegen Omikron (B.1.1.529), der neuen Coronavirus-Variante, die sich zumindest in Teilen Südafrikas noch rapider ausbreitet als alle ihre Vorgänger. Einschließlich Delta.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Etwa vier Stunden müssen die KLM-Gäste in den Fliegern verharren. Dann kommen sie in einen abgesonderten Bereich des Flughafens, werden PCR-getestet. Bald zeigt sich: Der Anteil der Positiven ist beachtlich. Und in den frühen Morgenstunden des Samstags kommt das Ergebnis raus: 61 von 600 Passagieren sind infiziert. Sie alle müssen in ein Quarantänehotel.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Es ist noch ungeklärt, ob die 61 positiven Getesteten oder ein Teil von ihnen mit der neuen Variante infiziert sind. Aber der auffällig hohe Anteil der Infizierten ist ein Grund zur Sorge. Auch für Deutschland.

Denn am Freitagmorgen sind zwei Lufthansa-Flüge aus Kapstadt und Johannesburg in Frankfurt gelandet. Deren Passagiere wurden nicht durchweg PCR-getestet und nicht in Hotelquarantäne geschickt. Und am Freitagabend kam eine Maschine aus Kapstadt in München an, deren Passagiere teils weitergereist sind.

Ist Omikron schon in der Bundesrepublik? Nach Angaben des hessischen Sozialministers Kai Klose ist die Variante »mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit« in Deutschland angekommen. Bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika seien mehrere für Omikron typische Mutationen gefunden worden, twittert der Grünenpolitiker am Samstagmorgen. »Es besteht also ein hochgradiger Verdacht, die Person wurde häuslich isoliert. Die vollständige Sequenzierung steht zum aktuellen Zeitpunkt noch aus.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Bundesregierung hat die Einreisebestimmungen für Passagiere aus Südafrika am Freitag verschärft. Südafrika gilt von der Nacht von Sonntagmorgen um 0.00 Uhr an als Virusvariantengebiet. Fluggesellschaften dürfen nur noch deutsche Staatsbürger oder hierzulande lebende Personen nach Deutschland befördern. Zudem müssen alle Eingereisten für 14 Tage in Quarantäne – selbst wenn sie vollständig geimpft sind.

Zahlreiche weitere Staaten haben ebenfalls den Reiseverkehr aus dem südlichen Afrika stark eingeschränkt. Daten aus der südafrikanischen Provinz Gauteng rund um Johannesburg deuten darauf hin, dass die Omikron-Variante noch einmal deutlich ansteckender ist als Delta.

Aber womöglich kommen die neuen Bestimmungen zu spät.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Passagiere aller Flüge dieser Woche aus südlichem Afrika sollen sich testen lassen

Wenn zehn Prozent der Passagiere der KLM-Flüge vom Freitag positiv waren, ist es unwahrscheinlich, dass es in den Tagen davor keine unentdeckten Infizierten auf Flügen von Südafrika nach Europa gab. Die Chance sei groß, dass die Variante schon in den Niederlanden sei, sagte der Epidemiologe Amrish Baidjoe im niederländischen Radio.

Nun versuchen die niederländischen Behörden, solche Fälle zu finden. Am Samstagmorgen forderte sie alle seit Montag eingereisten Passagiere aus Südafrika, Botswana, Eswatini (Swaziland), Lesotho, Mosambik, Namibia und Simbabwe auf, sich schnellstmöglich testen zu lassen. Bis zum Freitag galt bei der Einreise aus Südafrika in die Niederlande die 3G-Regelung. Selbst Ungeimpfte mussten nicht in Quarantäne. Ihnen wurde nur »dringend geraten«, sich an Tag zwei bis fünf noch einmal schnelltesten zu lassen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Freitag Rückkehrer aus Südafrika aufgerufen, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben und einen PCR-Test zu machen. Allerdings könne er die bereits eingereisten Menschen nur zu diesem Schritt auffordern, eine rechtliche Handhabe habe er nicht, sagte Spahn.

Passagiere aus Südafrika mussten sich bei der Einreise nach Deutschland bis zum Freitag über das offizielle staatliche Einreiseportal anmelden und vor Abflug einen maximal 48 Stunden alten Test vorweisen. Auch Antigen-Schnelltests wurden akzeptiert.

Womöglich wird die neue Variante von Schnelltests nicht gut entdeckt. Schließlich mussten alle Passagiere der KLM-Flüge aus Südafrika laut den bis Freitag geltenden niederländischen Einreisebestimmungen entweder geimpft oder genesen sein – oder alternativ entweder einen maximal 48 Stunden alten PCR-Test oder einen maximal 24 Stunden alten Schnelltest vorweisen. Dennoch erwiesen sich 61 der 600 Passagiere später beim PCR-Test als positiv.

Nach derzeitigem Stand wird KLM vorerst weiter von Südafrika nach Europa fliegen – ebenso wie die Lufthansa. Am Samstagmorgen sollte laut Plan eine Lufthansa-Maschine aus Johannesburg in Frankfurt landen; allerdings verzögerte sich der Abflug um mehrere Stunden.

Dies sei nicht wegen Corona passiert, sondern habe technische Gründe, sagte ein Lufthansa-Sprecher dem SPIEGEL. Die Maschine ist am Samstagmorgen gestartet und soll am Samstagabend in Frankfurt landen. Für die Nacht von Samstag auf Sonntag sind zwei weitere Flüge aus Johannesburg und Kapstadt nach Frankfurt angesetzt.

Bis 23:59 Uhr am Samstagabend gilt noch die alte Einreiseregelung. Allerdings können die Behörden vor Ort nach Angaben des Lufthansa-Sprechers zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Um Mitternacht treten die verschärften Regeln in Kraft. Dann müssen alle Rückkehrer sich umgehend in eine vierzehntägige Quarantäne begeben, eine Hotelquarantäne wie bei den KLM-Passagieren ist allerdings bislang nicht vorgesehen.

Die knapp 300 Passagiere, die am Freitagabend mit einem Lufthansa-Airbus aus Kapstadt in München angekommen sind, haben laut der Nachrichtenagentur dpa den Flughafen allesamt verlassen. Ein Teil von ihnen sei in München und Umgebung zu Hause oder im Hotel und befinde sich in Quarantäne. Ein anderer Teil sei vom Flughafen aus in andere Länder weitergereist. Entscheidungen über Infektionsschutzmaßnahmen für sie müssten dann am Zielort getroffen werden, hieß es.

Biontech peilt an, neuen Impfstoff im Falle einer Anpassung binnen hundert Tagen zu liefern

Die Münchner Virologin Ulrike Protzer ist besorgt über die neue Variante. B.1.1.529 könne dazu führen, dass sich das Virus schneller vermehre oder auch infektiöser werde, sagte Protzer am Samstag im Deutschlandfunk – und empfahl Bürgern, sich impfen zu lassen.

Auf die Frage, ob aktuelle Coronaimpfstoffe noch ausreichend gegen die neue Variante wirken, antwortete die Virologin, möglich sei, dass Antikörper das Virus nicht mehr so effizient neutralisieren können. Frisch nach einer Impfung gebe es aber viele Antikörper – das reiche dann aus, um auch Variantenviren »wegzuneutralisieren«.

Wenn die Impfung eine Weile her sei, könnten Auffrischungsimpfungen das Immunsystem »hochpushen«. »Und dann, davon gehen wir alle aus, sollte das wieder ausreichen«, sagte Protzer. Sie riet dazu, Boosterimpfungen mit den jetzt verfügbaren Impfstoffen vorzunehmen. Ob man später eine weitere Impfung brauche oder einen angepassten Impfstoff, könne man jetzt noch nicht sagen.

Der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech schaut sich die Omikron-Variante nun in Tests an – und rechnet spätestens in zwei Wochen mit Erkenntnissen. Die Daten würden Aufschluss geben, ob eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich werde, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer habe man schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer sogenannten Escape-Variante des Virus den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen – sowie erste Chargen innerhalb von hundert Tagen auszuliefern. Eine Escape-Variante ist eine Mutation, gegen welche die bisherigen Impfstoffe schlecht oder gar nicht wirken.

Für diesen Fall habe Biontech und Pfizer im Frühling und Sommer klinische Studien mit variantenspezifischen Impfstoffen etwa gegen die Beta- oder die Delta-Mutante gestartet. Hauptziel war es, Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit zu erheben. Diese könnten im Fall einer Anpassung bei den Behörden als Musterdaten vorgelegt werden. Sollten die Aufseher dies akzeptieren, würde das die Zulassung und Produktion der neuen Impfstoffe massiv beschleunigen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.