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DFB-Auswärtstrikot in Lila-Pink »Es wird leichtfertig mit zentralen Werten und Symbolen umgegangen«

Bei der Heim-Europameisterschaft im Sommer werden Deutschlands Fußballer unter anderem in Lila-Pink auflaufen. Eine neumodische Entscheidung, die »zu wenig zeitlos« sei, sagt Markenexperte Marcel Loko. Und er sieht eine Gefahr.
aus DER SPIEGEL 12/2024
Neues DFB-Auswärtstrikot: »Es wird versucht, ein Statement zu setzen«

Neues DFB-Auswärtstrikot: »Es wird versucht, ein Statement zu setzen«

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adidas

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Am 14. März präsentierte Adidas die neuen Trikotdesigns der deutschen Fußballnationalmannschaft für die anstehende Heim-Europameisterschaft (14. Juni bis 14. Juli). Neben einer klassischen Variante in Weiß fällt das Auswärtstrikot durch eine ungewöhnliche Farbkombination auf: Es ist lila-pink. Ein Style, der vor allem jüngere Menschen ansprechen soll.

Der Deutsche Fußball-Bund DFB und Ausrüster Adidas verzichten damit erneut auf das traditionelle Grün, in dem das Nationalteam über Jahrzehnte auswärts aufgelaufen war. Schon in den vergangenen Jahren hatte die Mannschaft unter anderem rote und schwarze Jerseys getragen.

SPIEGEL: Bei der Heim-Europameisterschaft wird die deutsche Mannschaft unter anderem in Lila-Pink auflaufen. Wie gefällt das Ihnen als Markenprofi?

Loko: Persönlich finde ich es ziemlich daneben, aber als Experte erkenne ich natürlich die Absicht dahinter.

SPIEGEL: Welche ist das?

Loko: Man will jungen Leuten gefallen. Meine Tochter ist 20, die schrieb mir gerade, dass sie das Trikot cool findet, es sei mal was anderes. Ich frage mich aber, ob die Intention zu durchsichtig ist. Auf mich wirkt es zu anbiedernd, zu »Hey, wir sind cool«-artig.

SPIEGEL: Was stört Sie an der Farbe?

Loko: Rosa, Pink, Lila hat mit der Nationalmannschaft nichts zu tun. Es ist eine neumodische Entscheidung, zu wenig zeitlos, gerade im Hinblick auf ein Heimturnier. Andererseits: Niemand wird Fan des Nationalteams oder wendet sich von ihm ab aufgrund der Trikotfarbe.

SPIEGEL: Laut Adidas soll das Trikot für die Vielfalt Deutschlands stehen. Schon bei der WM 2022 in Katar überlagerten politische Diskussionen den Auftritt des DFB-Teams. Droht sich das jetzt zu wiederholen?

Loko: Die Gefahr besteht. Es wird versucht, ein Statement zu setzen – wogegen nichts einzuwenden ist. Die Aussage ist ja eine gute. Aber überfordert es nicht die Spieler, wenn zu viel Gesellschaftspolitisches ins Trikot gezwängt wird?

SPIEGEL: Die ersten Reaktionen in sozialen Medien sind überwiegend negativ.

Loko: Die Macher werden sagen: Genau diese Diskussion wollten wir, jetzt reden alle darüber. Doch mittelfristig droht ein kommunikativer Schaden, wenn mit zentralen Werten und Symbolen so leichtfertig umgegangen wird.

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