Neue EU-Pläne Ebbelwoi bleibt Apfelwein

Die EU-Kommission lenkt ein: Die Bezeichnung "Apfelwein" darf bestehen bleiben. Ursprünglich wollte Brüssel, dass nur noch Erzeugnisse aus Traubensaft als Wein bezeichnet werden dürfen. Eine hessische Kampagne überzeugte die EU-Bürokraten dann doch.


Wiesbaden - Die EU-Weinmarktordnung wird auch weiterhin die bisherige Passage zur Verwendung des Begriffs Apfelwein beinhalten, sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) heute in Wiesbaden. Darauf habe EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel ihm und Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) ihr "persönliches Wort" gegeben.

Hessisches Nationalgetränk Apfelwein: Nicht einfach nur vergorener Fruchtsaft
DDP

Hessisches Nationalgetränk Apfelwein: Nicht einfach nur vergorener Fruchtsaft

Nach den ursprünglichen Plänen der EU sollten nur noch Getränke aus Trauben den Namen "Wein" tragen, aber nicht mehr solche aus anderen Früchten wie Äpfeln oder Kirschen.

Die hessische Landesregierung hatte zuvor gemeinsam mit Apfelweinherstellern die Kampagne "Rettet unseren Apfelwein" gestartet. Apfelweinkeltereien hatten Umsatzeinbußen durch den Wegfall des traditionellen Namens befürchtet. Mit einer "Flaschenpost-Aktion", bei der eine Flasche Apfelwein samt Brief verschickt wurde, sollten die Mitglieder des EU-Ausschusses, deutsche EU-Parlamentarier sowie Bundestagsabgeordnete von der Qualität des "Stöffchens" überzeugt werden, wie Apfelwein in manchen Regionen Hessen auch genannt wird. Außerdem waren Aktionen bei Spielen der Fußball-Bundesliga sowie in hessischen Apfelwein-Wirtschaften und Berliner Kneipen geplant.

Koch erklärte nun, er sei "froh und dankbar, dass der Spuk vorbei ist und der Apfelwein mit einer kurzen, aber heftigen Kampagne gerettet werden konnte". Fischer Boel habe in dem Telefongespräch zu erkennen gegeben, dass sie von der Bedeutung des Apfelweins für Hessen und von dem außerordentlichen und sehr emotionalen Engagement vieler Menschen für den Apfelwein beeindruckt sei.

Der Apfelwein sei für die Hessen "nicht einfach ein vergorener Fruchtsaft", sondern auch ein Getränk mit einer Jahrhunderte langen Tradition, hatte Koch zuvor bei der Vorstellung der Kampagne zur Rettung des Apfelweins erklärt. Abgesehen von der wirtschaftlichen Bedeutung seien das Produkt und sein Name "ein wertvolles kulturelles und emotionales Stück hessischer Identität".

kaz/AFP/ddp



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