Neue Geldquellen für Mittelständler Millionen investieren - ohne Bank-Kredit

Mittelständler zapfen neue Geldquellen an, um ihr Eigenkapital zu stärken und dem Kreuzverhör der Kreditinstitute zu entgehen. Der Wursthersteller Zimbo zum Beispiel forciert mit Millioneninvestitionen die Expansion – ohne sich Bedingungen von Banken diktieren zu lassen.

Von Kai Lange


Hamburg – Die Halle soll eines der modernsten Frische-Logistikzentren in Deutschland werden. 15.000 Quadratmeter Lagerfläche, in drei Temperaturzonen aufgeteilt, darüber ein 10.000 Quadratmeter großes Solardach und der Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen nur wenige Autominuten entfernt: Nach Meinung von Willi Denecke ist das geplante Logistikzentrum in Unterschleißheim ein idealer Standort, um am wachsenden Warenaustausch zwischen Ost- und Westeuropa mitzuverdienen.

Zimbo-Geschäftsführer Denecke: "Werden diesen Weg weiter verfolgen"

Zimbo-Geschäftsführer Denecke: "Werden diesen Weg weiter verfolgen"

Deshalb nimmt Denecke, Geschäftsführer der Zimbo Fleisch- und Wurstwaren GmbH, viel Geld in die Hand. Der Aufbau des Logistikzentrums ist für den expansionshungrigen Mittelständler nur ein Baustein. Bis 2008 will Zimbo eine weitere zweistellige Millionensumme in das Osteuropa-Geschäft investieren.

Das Besondere dabei: Banken bleiben weitgehend außen vor. Das Warendrehkreuz in Unterschleißheim wird überwiegend durch eine Immobilienanleihe in Höhe von zehn Millionen Euro finanziert. Emittentin der mit 6 Prozent verzinsten Anleihe, die sowohl institutionellen wie auch privaten Anlegern angeboten wird, ist die Immobilientochter "Zimbo Familie Zimmermann Immobilien GmbH".

Bereits im Jahr 2003 hatte die Unternehmerfamilie Zimmermann aus Bochum (Zimbo) eine Anleihe über 15 Millionen Euro erfolgreich am Markt platziert. Die Strategie, sich von der Kreditvergabepolitik der Geldhäuser unabhängiger zu machen, wird damit fortgeführt.

"Auf Drei-Säulen-Modell umgestellt"

"Wir haben uns entschlossen, unser Finanzierungskonzept auf ein Dreisäulen-Modell umzustellen: Zu der klassischen Bankenfinanzierung kommen die Säulen Eigenkapital sowie Unternehmensanleihen/Genussscheindarlehen hinzu", sagt Denecke im Gespräch mit manager-magazin.de. "Diesen Weg der Kapitalbeschaffung werden wir weiterhin verfolgen."

Nicht nur Zimbo hat Gründe dafür, sich nach Alternativen zum Bankkredit umzusehen. Die Banken, die selbst lange unter faulen Krediten litten, sind bei der Kreditvergabe deutlich restriktiver geworden. "Die Bank blickt immer mehr auf Risiken", bestätigt Unternehmensberater Dieter Baumgarte. "Es geht nicht mehr darum, zu welchen Konditionen ein Unternehmen einen Kredit bekommt - es geht darum, ob sie überhaupt noch einen Kredit bekommt."

Logistikzentrum Unterschleißheim: Millionenteurer Umbau

Logistikzentrum Unterschleißheim: Millionenteurer Umbau

Spätestens ab dem Jahr 2007 werden die schärferen Richtlinien zur Kreditvergabe (Basel II) die Finanzierung für viele mittelständische Unternehmen erschweren. Neben der Bonität der Unternehmen rückt die Ausstattung mit Eigenkapital in den Blick – und die ist bei der Mehrzahl der deutschen Mittelständler eher dürftig. Zweitens eröffnet eine Finanzierung über Hybridanleihen oder Genussscheine den Unternehmen die Möglichkeit, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken.

Da die auf diese Weise am Kapitalmarkt eingesammelten Millionen bilanziell wie Eigenkapital behandelt werden können, hat sich zum Beispiel auch die Otto-Gruppe im vergangenen Herbst entschlossen, eine Hybridanleihe über 150 Millionen Euro zu begeben.

Viele Mittelständler entdecken den Charme solcher Mezzanine-Finanzierungen, die zwischen Fremd- und Eigenkapital gelagert sind: Sie können gegebenenfalls die Eigenkapitalquote erhöhen, der Unternehmer bleibt in seinen Entscheidungen aber dennoch Herr im Haus.

Neue Geldquellen, neue Unternehmenstöchter

Unternehmerischen Freiraum sichert sich die Zimbo-Gruppe nicht nur durch die neuen Finanzierungsmodelle, sondern auch durch die Auslagerung der Logistikaktivitäten.

Bereits Anfang 2005 wurde die Logistik3000 als eigenständige Tochtergesellschaft ausgegliedert: "Die Tochtergesellschaft organisiert die gesamte Logistik und Lagerung für die Zimbo-Gruppe, soll aber auch ein Drittkundengeschäft aufbauen", verlangt Denecke. Schon nach 15 Monaten der Eigenständigkeit lag der Anteil an Drittkunden, welche die Dienste der Logistik3000 nutzen, bei rund 40 Prozent.

"Die Nachfrage nach Lagerkapazitäten und Transportdienstleistungen ist groß – die Logistiktochter hat hohes Wachstumspotenzial", sagt Denecke. Der Aufbau der Infrastruktur in Osteuropa sowie die Tendenz vieler Unternehmen, den Transport von Gütern und Waren an Logistik-Dienstleister zu übergeben, soll für weiteren Zuwachs sorgen.

Logistik- und Immobilientochter

Jüngste eigenständige Tochter der Gruppe ist nun die Zimbo Familie Zimmermann Immobilien GmbH. Die Immobilientochter soll aus der neuen Anleihe einen Teil des Kaufpreises finanzieren und die Erweiterungsinvestitionen stemmen. Geschäftszweck der Gesellschaft ist, Logistikzentren zu kaufen und zu vermieten: Zeichner der Anleihe lockt die Emittentin damit, dass durch den Mietvertrag mit Logistik3000 die Mieteinnahmen langfristig gesichert sind.

Weitere Logistikstandorte sollen folgen, bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Deutschland, mit einem Volumen von 166 Milliarden Euro bereits größter Logistikmarkt Europas, dürfte weiterhin von der EU-Erweiterung profitieren. Die nächste Anleihe der Zimbo-Gruppe dürfte also nicht allzu lange auf sich warten lassen.



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