Neue ProSiebenSat.1-Besitzer Markige Kampfansage gegen RTL

Nichts weniger als die Nummer eins in Europa - das soll ProSiebenSat.1 den neuen Hausherren KKR und Permira zufolge werden. Vertreter der beiden Finanzinvestoren skizzierten heute ihre Pläne für die Senderkette und sagten Marktführer RTL den Kampf an.


München - Erstmal versuchten die neuen Hausherren, den Mitarbeitern die Angst zu nehmen: Auch bei einer später geplanten Fusion mit der europäischen TV-Gruppe SBS Broadcasting seien die 2800 Arbeitsplätze bei ProSiebenSat1 Chart zeigen.1 in München und Berlin nicht gefährdet, betonten die Vertreter von KKR Chart zeigen und Permira heute in München. Die Synergiegewinne steckten im Wachstum und Gemeinsamkeiten bei Programm oder Technik, "nicht in den Arbeitsplätzen". Ein Personalabbau sei "nicht eingeplant", sagte KKR-Manager Götz Mäuser. "Es gibt absolut keine Personalabbaupläne", betonte auch ProSiebenSat.1-Finanzchef Lothar Lanz.

Homepages von Permira und KKR: Personalabbau sei nicht eingeplant, hieß es heute
DPA

Homepages von Permira und KKR: Personalabbau sei nicht eingeplant, hieß es heute

Die beiden Finanzinvestoren haben gestern offiziell den Bieterwettstreit um die deutsche Fernsehgruppe gemacht, für die sie den derzeitigen Besitzern um den US-Milliardär Haim Saban rund 3,1 Milliarden Euro zahlen wollen.Die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch die Finanzinvestoren KKR und Permira soll nach Zustimmung der Kartellbehörden bis Ende März abgeschlossen sein.

Dann aber bestimmten markige Worte die Runde: "Es ist ganz klar das Ziel, die Nummer eins in Europa zu werden", erklärte KKR-Europachef Johannes Huth und kündigte weitere Zukäufen an. Das Ziel: Marktführer RTL soll überholt werden, wie Huth erklärte. Ein konkretes Konzept liege aber noch nicht vor.

Die neuen Eigner wollen ProSiebenSat.1 mit der in Osteuropa, Skandinavien und den Benelux-Staaten tätigen SBS-Sendergruppe zusammenzuschließen und "von München aus die Erfolgsstory von ProSiebenSat.1 in Europa fortschreiben", sagte Huth. Wenn nach näherer Prüfung eine Fusion sinnvoll erscheine, "werden wir keine Zeit verlieren", erklärte Mäuser.

Der erfolgreiche ProSiebenSat.1-Vorstandschef Guillaume de Posch und sein Management sollen an Bord bleiben, wie alle Beteiligten betonten. Die neuen Besitzer hätten auch "keine Pläne, Einfluss auf das Programm inklusive Nachrichten zu nehmen", sagte Posch. "KKR und Permira unterstützen voll und ganz unsere gegenwärtige Strategie, das Kerngeschäft Free-TV zu stärken, unsere Erlösquellen zu diversifizieren und die Gruppe für die digitale Welt aufzustellen." Er begrüßte die weiteren Pläne: "Als Kern eines neuen europäischen TV-Konzerns könnten wir unsere erfolgreiche Unternehmensstrategie auf internationaler Ebene weiter ausbauen."

In Haim Sabans Investorengruppe jubelt man unterdessen. "Ich liebe das deutsche Kartellamt!" sagte Saban übermütig bei einer Telefonkonferenz. Er hatte ProSiebenSat.1 vor einem Jahr für eine halbe Milliarde Euro weniger an den Axel-Springer-Verlag Chart zeigen verkaufen wollen, war aber von den Wettbewerbs- und Medienwächtern gestoppt worden. Springer besitzt weiterhin 12 Prozent an ProSiebenSat.1 und hält sich bislang alle Optionen offen.

Den Kleinaktionären kündigten die neuen Eigentümer ein Übernahmeangebot für ihre nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien an. Es starte Ende Januar. Der Preis werde aber lediglich dem Drei-Monats-Durchschnittskurs vor der Ankündigung des Angebots entsprechen.

ase/AP



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