Neue Regeln für das Dosenpfand Das Ende der Sortiererei

Das lästige Sortieren von Flaschen und Dosen im Hausflur hat ein Ende: Ab dem 1. Mai gelten neue Regeln für das Dosenpfand. Leere Getränkeverpackungen gleich welcher Herkunft können nun in fast allen Märkten zurückgegeben werden. Die Kehrseite: Die Preise könnten steigen.


Neue Regeln für das Dosenpfand: Die Blechbüchse wird bei einigen Discountern jetzt verbannt
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Neue Regeln für das Dosenpfand: Die Blechbüchse wird bei einigen Discountern jetzt verbannt

Berlin - Auch die Insellösungen, mit denen sich die Discounter bisher den Getränkemüll aus anderen Quellen vom Hals gehalten haben, fallen ab morgen weg: Eine Flasche, die beim Aldi gekauft wurde, kann also auch beim Lidl abgegeben werden. Ausnahmen gibt es dennoch: Läden unter 200 Quadratmetern sind von der Rücknahmepflicht für alle Getränkeverpackungen befreit. Und: Der Laden muss die Verpackungsart im Sortiment haben – ein Grund, warum jetzt Aldi und Lidl ihre Dosen komplett aus den Regalen verbannen. Ihre Rücknahmeautomaten sind für Blechbüchsen schon nicht mehr ausgerüstet. Der Überblick über die neuen Regeln

Ob aber das neue, bundesweite Rücknahme-System funktioniert, muss die Praxis zeigen. Dass die Umwelt profitiert, bestreiten Kritiker nun noch vehementer als beim alten Pfand. Derzeit lässt sich nur soviel sagen: Die Kosten der Reform wird wohl der Verbraucher tragen.

Um bis zu zehn Cent würden sich Getränke in Einwegverpackungen verteuern, sagt Holger Wenzel vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) voraus. Denn der Handel müsse rund 1,5 Milliarden Euro in Rücknahme-Automaten investieren. Deren Betrieb verursache zudem laufende Kosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr. Ganz anders rechnet die Bundesregierung: Selbst bei Umlage aller Zusatzkosten würden sich die Getränkepreise nur um weniger als einen Cent erhöhen, heißt es beim Umweltministerium in Berlin.

Aus Sicht von Verbraucherschützern nutzt der Handel das ungeliebte Pfand als Vorwand, um ohnehin vorgesehene Preisrunden durchzusetzen: "Dann ist es natürlich gut, wenn man behaupten kann, das ist alles das böse Dosenpfand schuld", sagt Carel Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Er verweist auf Schätzungen, wonach die Verbraucher bis zu 1,4 Milliarden Euro nicht eingelösten Pfands dem Einzelhandel geschenkt hätten: "Die Kassen müssten also gut gefüllt sein."

Einig sind sich Einzelhändler und Verbraucherschützer immerhin darüber, dass die Neuregelung des Pfands den Kunden gewisse Erleichterungen bringt. So können Einwegverpackungen künftig in allen Geschäften ab 200 Quadratmetern Verkaufsfläche zurückgegeben werden, wenn die betreffende Verpackungsart dort ebenfalls verkauft wird. Die so genannten Insellösungen, mit denen sich vor allem die Discounter bislang den Getränkemüll aus anderen Quellen vom Hals gehalten haben, sind damit hinfällig.

Fortan soll ein ausgeklügeltes Rücknahmesystem, das die Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG) gemeinsam mit Getränkeindustrie und Handel aufgebaut hat, die bundesweite Verrechnung der Pfandbeträge regeln. Doch bislang zögern viele Einzelhändler, die teuren Automaten anzuschaffen, berichtet HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr: Erst ein geschätztes Drittel aller Läden sei damit ausgerüstet; die Übrigen wollten die Verpackungen vorerst weiter per Hand sortieren. "Die Händler warten erst einmal ab, wie sich die Kunden jetzt verhalten", sagt Pellengahr.

reh/AFP



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