Neue Regeln Merkel macht Hedgefonds zur Chefsache

Nachdem Deutschland mit einer Hedgefonds-Initiative auf dem G-8-Gipfel gescheitert ist, will Kanzlerin Merkel es nun auf anderem Wege versuchen. Nach ihrem Willen sollen sich Fondsmanager freiwillig einem Verhaltenskodex unterwerfen. Kritik erntete sie von SPD-Chef Beck.


Hamburg - Nach dem Scheitern der deutschen Hedgefonds-Initiative im Rahmen der G 8 will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema zur Chefsache machen. Nach Informationen des SPIEGEL will sie schon in den nächsten Wochen einen neuen Vorstoß unternehmen und sich mit führenden Vertretern der Hedgefonds-Industrie treffen. Die Manager und Inhaber der umstrittenen Fonds möchte sie davon überzeugen, sich doch noch einem Verhaltenskodex zu unterwerfen, um für mehr Transparenz in der Branche zu sorgen.

Merkel auf dem Kirchentag: Regeln für milliardenschwere Fonds
AP

Merkel auf dem Kirchentag: Regeln für milliardenschwere Fonds

Die USA hatten in Heiligendamm eine weitergehende Kontrolle der Finanzindustrie verhindert.

Die Gipfelerklärung betont lediglich die Notwendigkeit, hinsichtlich der weiteren Entwicklung von Hedge-Fonds wachsam zu sein. Die G 8 appellierte an die Branche, ihre Kontrollmechanismen zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern.

SPD-Chef Kurt Beck kritisierte dieses Ergebnis als unzureichend. "Für mich ist die bitterste Enttäuschung und eine schwere Niederlage für alle Gipfel-Teilnehmer, dass es nicht gelungen ist, für Hedge-Fonds - also Unternehmen, die sich in andere einkaufen, um sie auszubeuten - klare Transparenz-Regeln aufzustellen", sagte Beck der "Bild am Sonntag". "Ich hätte mir bei diesem Thema wesentlich mehr Einsatz von der Bundeskanzlerin erwartet." Beck betonte, er werde nicht lockerlassen und dieses Thema immer wieder ansprechen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, schrieb in der "Frankfurter Rundschau" mit Blick auf die G-8-Formulierung: "Nett, aber wenig wirkungsvoll ist der moralische Aufruf, hier mehr Transparenz schaffen zu wollen."

Merkel unterstrich heute beim Evangelischen Kirchentag in Köln die Bedeutung von Regeln, die die Fonds überschaubarer machten. Dafür werde sie sich weiter einsetzen.

In den vergangenen sechs Jahren haben Hedge-Fonds, die auch bei sinkenden Aktienkursen hohe Renditen erwirtschaften können, das von ihnen verwaltete Vermögen auf 1,5 Billionen Dollar verdreifacht. Diese Kapitalsammelstellen werden kaum reguliert und sind in ihren Anlagestrategien völlig frei. Zudem kaufen sich immer wieder Fonds in Unternehmen ein, um deren Management unter Druck zu setzen, die Rendite zu erhöhen oder Barreserven an die Anteilseigner auszuschütten.

kaz/Reuters



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